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Russischer Sturm über der Ukraine: Was Reisende wissen sollten

Lange wurde davor gewarnt und trotzdem ist es kaum zu fassen: Am frühen Donnerstagmorgen (24.02.) begann die russische Großinvasion in die Ukraine. Damit ist der ukrainische Luftraum Kriegsgebiet und für jeglichen zivilen Luftverkehr gesperrt. Außerdem empfiehlt die EU-Luftsicherheitsagentur allen Flügen mindestens 185 km Abstand zur ukrainischen Grenze einzuhalten. Auch in den südwestlichen russischen Grenzregionen ist der zivile Luftverkehr stark eingeschränkt. Erfahren Sie jetzt, was Reisende wissen sollten und warum der russische Einmarsch auch Reisepläne in ganz anderen Weltregionen zunichtemachen könnte.

Der lange Schatten von MH17

Zwar war der Flugverkehr von und in die Ukraine schon vor der Invasion größtenteils ausgesetzt, aber dessen Auswirkungen werden nicht auf die Ukraine beschränkt bleiben. Aktuellen Flugdaten zufolge gleicht der Luftraum in und rund um das Land derzeit einem schwarzen Loch ohne jeglichen zivilen Luftverkehr. Da sich neben Russland auch Belarus an der Invasion beteiligt, wird das voraussichtlich auch für die Dauer des Konflikts so bleiben. Reisende in der Region sollten auch nicht auf offizielle Evakuierungsflüge hoffen, stattdessen planen mehrere Länder ihre Staatsbürger über die Landgrenzen der Ukraine herauszuholen.

Schließlich will niemand für die nächste MH17-Katastrophe verantwortlich sein. 2014 war der von Amsterdam aus gestarteter Malaysia Airlines-Flug 17 über der umkämpften Ostukraine abgeschossen worden. Alle 298 Passagiere starben. Seitdem wird das Gebiet von Fluggesellschaften weiträumig umflogen. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass es auch in eigentlich nicht vom Konflikt betroffenen Ländern in Osteuropa zu einem Ansturm auf alle verfügbaren Ausreisemöglichkeiten kommt.

Reisende in der Sanktionsspirale

Aufgrund des offenen Krieges in der Ukraine könnte es ebenfalls zu erheblichen Flugeinschränkungen und Ticketpreissteigerungen für Flüge außerhalb Osteuropas kommen. Russland hat bereits in der Vergangenheit damit gedroht, seinen Luftraum für westliche Fluggesellschaften zu sperren. Als Reaktion auf neuerliche massive Sanktionen könnte diese Drohung diesmal in die Tat umgesetzt werden. Damit würden viele der schnellsten Routen zwischen Europa und Asien wegfallen. Für die ohnehin schon gebeutelte europäische Luftfahrtbranche würde das einen weiteren schweren Schlag darstellen. Ein allgemeines Überflugverbot galt zuletzt während des Kalten Krieges. Westliche Airlines müssen dann wohl deutlich unrentablere Flugrouten nutzen. Das dürfte wiederum Flugstreichungen und steigende Preise für Flüge Richtung Ostasien nach sich ziehen. Am Freitag (25.02.) wurde bereits eine Überflugsperre für britische Flugzeuge verhängt, nachdem die britische Regierung zuvor Sanktionen gegen die staatliche russische Fluggesellschaft Aeroflot angeordnet hatte.

Die Lage bleibt aber weiterhin hochgradig unübersichtlich, weil buchstäblich im Minutentakt neue Meldungen hereinkommen. Nichtsdestotrotz entwickelt sich der Ukraine-Konflikt aber gerade zur schlimmsten bewaffneten Auseinandersetzung auf europäischen Boden seit den Jugoslawienkriegen. Schon vor der Invasion drückte die ständige Unsicherheit auf Osteuropas Attraktivität als Reiseziel. Und jetzt ist der geplante Asienurlaub vielleicht schon bald das nächste Opfer des russischen Einmarsches.

Die Situation in der Ukraine ist hochgefährlich und könnte jederzeit weiter eskalieren. Reisende sollten daher die A3M-Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine (siehe hier) aufmerksam verfolgen.

Author

Michael Trinkwalder

Comment (1)

  1. Was bedeutet der Krieg in der Ukraine für die Reise- und Tourismuswirtschaft? - A3M Global Monitoring
    2022-04-01

    […] bereits unter Druck stehende Luftverkehrsmarkt wird einer dringend benötigten Erholung beraubt. Höhere Ticketpreise dürften die Folge […]

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