Blogbeiträge

Global Monitoring: Die Woche

Das alles überschattende Thema in dieser Woche war auch für das Travel Security Team der Krieg in der Ukraine. Weitere Ereignisse, die im Schatten des Krieges stehen, sind erneut ein Tropensturm in Madagaskar, die gewalttätige Wendung der Impfgegner-Proteste in Neuseeland, konfessionelle Spannungen in Indien sowie Verkehrsblockaden durch Klimaaktivisten in Deutschland.

Ukraine: Krieg in Europa

Seit Monaten befürchteten westliche Regierungskreise eine Eskalation des lange schwelenden Konflikts in Osteuropa. In der Nacht zum Donnerstag war es dann soweit: Russische Streitkräfte fielen aus Belarus, Russland und über die 2014 annektiere Halbinsel Krim in ukrainische Hoheitsgebiete ein. Im Norden eroberten russische Streitkräfte das Kernkraftwerk Tschernobyl und umzingelten die Hauptstadt Kiew in einer Zangenbewegung, während die ukrainischen Verteidiger erbitterten Widerstand leisten, wie etwa am Flughafen Kiew-Hostomel. Auch die große Stadt des Nordostens, Charkiw ist schwer umkämpft. Im Osten des Landes verschoben separatistische Milizen ihre Grenzen weiter gen Westen. Im Süden drang die russische Armee von der Krim her bis zum Fluss Dnipro vor, überwand diesen und konnte sich so den strategischen Zugang zur Stadt Cherson sichern. Kurz darauf wurden Gebiete um Odessa, dem “Venedig des Ostens” bombardiert. Durch gezielte Luftschläge erlangte Russland in kürzester Zeit die absolute Lufthoheit über die Ukraine. Die ukrainische Armee hielt dem massiven militärischen Druck des östlichen Nachbarn bisher jedoch stand und die russische Invasion verlief aufgrund der erbitterten Verteidigung langsamer als von vielen angenommen. Beispielsweise sprengte sich ein ukrainischer Soldat auf einer mit Sprengstoff beladenen Brücke im Oblast Cherson selbst in die Luft, um heranrückende Truppen an der Überquerung zu hindern. Was sich allerdings beschleunigte, war die Flucht von Zivilisten. Hunderttausende Menschen begaben sich in ihren Autos auf den Weg Richtung Westen, um in die Nachbarländer Polen, Slowakei und Ungarn zu fliehen. Hierbei kam es zu massiven Staus auf Fernstraßen und Autobahnen. In den Städten Vuhledar, Charkiw und Uman hingegen wurden Zivilisten Zeugen von russischen Raketenangriffen inmitten ihrer Wohngebiete und nahe von Krankenhäusern. So hört sich Krieg an, der zudem in Europa stattfindet. Es bleibt zu hoffen, ob die westlichen Sanktionen schnell ihre Wirkung entfalten und der russischen Führung in ihrem Bestreben Einhalt gebieten. Denn Präsident Putin verhandelt nicht mehr. Er handelt.

Madagaskar: Tropensturm Emnati verwüstet Madagaskar

Die Tropenstürme, die über Madagaskar hinwegfegen, nehmen kein Ende. Diese Woche war es der Zyklon Emnati, welcher am Dienstag in der Provinz Fianarantsoa auf Land traf und in einer südlichen Richtung über die Insel zog. Emnati erreichte Windstärken von bis zu 137 Kilometer pro Stunde, obwohl sich der Zyklon kurz vor dem Auftreffen auf Land bereits abgeschwächt hatte. Die heftigen Regenfälle, die besonders im Süden und Südosten Madagaskars niedergingen, führten, wie auch die Stürme zuvor, zu Überschwemmungen ganzer Siedlungen. Zu dieser Zeit ließen die Vereinten Nationen verlauten, sich auf das schlimmste Katastrophenszenario vorzubereiten. Rettungskräfte hatten es nach dem Abzug des Tropensturms aufgrund vorangegangener Sturmschäden und Nachwirkungen Emanti’s schwer, Bergungsmission zur Rettung von Opfern durchzuführen, da weiterhin heftige Niederschläge niedergingen. Unterdessen warnte Meteo France, die Wetterbehörde Frankreichs und somit auch zuständige für das Überseegebiete Reunion östlich von Madagaskar, dass sich in wenigen Tagen ein neuer Tropensturm entwickeln könnte.

Neuseeland: Impfgegner-Proteste nehmen gewalttätige Wendung

Die seit Wochen anhaltenden Proteste nach kanadischem Vorbild vor dem neuseeländischen Parlament in Wellington nahmen gleich zu Anfang der Woche eine gewalttätige Wendung. Am Wochenende hatten Sicherheitskräfte mit der Errichtung von Blockaden und der Räumung des Protestlagers begonnen, in dem Demonstranten bereits einen Gemüsegarten und provisorische Duschen eingerichtet hatten. In den darauf folgenden Tagen kam es immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, während die Zahl der Teilnehmer stetig anstieg. Sicherheitskräfte wurden mit Exkrementen beworfen und mit einer unbekannten, ätzenden Flüssigkeit besprüht. Am Montag wurde mindestens eine Person nach dem Versuch, mit seinem Auto in eine Gruppe von Sicherheitskräften zu fahren, verhaftet.

Indien: Konfessionelle Spannungen über Hidschab-Kontroverse

Der Hidschab ist in Indien in den vergangenen Wochen zum Auslöser gewalttätiger Auseinandersetzungen geworden. Im Januar hatte die regierende hindunationalistische Bharatiya Janata Party im Bundesstaat Karnataka das Tragen des Hidschabs in öffentlichen Bildungseinrichtungen verboten. Daraufhin folgten Proteste von Schülerinnen, die aufgrund ihres Hidschabs vom Unterricht ausgeschlossen wurden, sowie Gegenproteste hinduistischer Studentengruppen, die wie in Indien üblich schnell zu gewalttätigen Ausschreitungen mit dutzenden Verletzten eskalierten. Die in Karnataka, dem religiös diverseren Süden Indiens ausgebrochenen Unruhen weiteten sich schnell auf das ganze Land aus. Die durch den Streit um eine Kopfbedeckung ausgelösten Proteste sind nur Symptom der sich in den letzten Jahren zunehmend verschärfenden konfessionellen Spannungen zwischen Hindus und Muslimen.

Deutschland: Klimaaktivisten blockieren Zugang zu mehreren Flughäfen

Nachdem Klimaaktivisten bereits Protestaktionen auf Autobahnen durchführten und sich beispielsweise von Brücken abseilten, wurde der Protest der Initiative „Letzte Generation“ am Mittwochmorgen auf ein neues Level gehoben: Um für eine konsequentere Klimapolitik und gegen Lebensmittelverschwendung zu demonstrieren, wurden die Zufahrtsstraßen zu den drei internationalen Flughäfen München, Berlin und Frankfurt blockiert. So klebten sich die Aktivisten der Initiative im Falle des Münchner Flughafens an der Straße fest und blockierten an zwei Stellen Zufahrtsstraßen zum Frachtbereich. Auch die Straßenblockaden am Berliner Flughafen hatten eher geringe Verkehrsbeeinträchtigungen zur Folge. In Frankfurt hingegen kam es zu Verkehrsbehinderungen. Dort wurden Zufahrtsstraßen zum Frachtbereich sowie Kreuzungen und Flughafen-Zubringerstraßen mit mehr Erfolg blockiert als an den Flughäfen BER in Berlin und Franz-Josef-Strauß in München. Während viele Politiker sich von den Protestaktionen distanzierten, gab es auch jene, die Verständnis dafür zeigten. Sollte es zu weiteren Protestaktionen derartiger Natur kommen, wird man auch mit weiteren Einschränkungen im Verkehr rechnen müssen.

COVID-19: RKI stuft weitere Gebiete ab

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Freitag ganze 37 Länder von seiner Liste der Hochrisikogebiete genommen. Zeitgleich ging der Trend zu Lockerungen bei den Einreisebestimmungen sowie bei Restriktionen vor Ort in zahlreichen Ländern weiter. So ermöglichte Österreich am Dienstag die quarantänefreie Einreise für alle Personen, die bei der Ankunft ein negatives Testergebnis vorlegen können. Zuvor war dies nur geimpften oder genesenen Menschen möglich. Weitere Erleichterungen bei der Einreise hat auch Thailand für den 01.03. angekündigt, während Israel ab demselben Tag wieder Ungeimpfte einreisen lässt. Aus Vietnam kam die Nachricht, dass die lange erwartete Öffnung des Landes am 15.03. eintreten soll. Bermuda hingegen hat seine Regeln verschärft und lässt ab 01.03. nur noch vollständig geimpfte Reisende ins Land.

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Travel Security Analyst Team