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Global Monitoring: Die Woche

Während der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan in vollem Gange ist, kam es auch diese Woche zu schweren Kämpfen am Hindukusch. Die Taliban eroberten mehrere Bezirke des Landes und griffen in der Nacht zum Montag (23./24.05.) sogar Mehtarlam an, die Hauptstadt der ostafghanischen Provinz Laghman. Am Donnerstag (27.05.) entging der Gouverneur der Provinz Kunar, Mohammed Iqbal Sayyed, nur knapp einem Anschlag, als neben seinem Konvoi eine am Straßenrand platzierte Bombe explodierte. Die Kämpfe zwischen Armee und Taliban-Kräften sowie Terrorangriffe (auch auf zivile Ziele) dauern in ganz Afghanistan an, konzentrieren sich aber verstärkt auf den Osten und den Norden des Landes.

Die ADF-Angriffe im Osten der DR Kongo halten weiter an, jedoch geriet die Region wegen einer ganz anderen Katastrophe in die Schlagzeilen: Im Grenzgebiet zu Ruanda war am Wochenende der Vulkan Nyiragongo ausgebrochen. Neben Aschewolken und Lavaströmen, die sich durch die Vororte von Goma wälzten, bestand auch die Gefahr, dass durch das flüssige Gestein auf dem Boden des Kivu-Sees giftige Gase freigesetzt würden. Die Stadtviertel Majengo, Mabanga Nord und Süd, Bujovu, Virunga, Murara, Mapendo, Mikeno, Kayembe sowie Le Volcan wurden evakuiert. Innerhalb von knapp einer Woche zwang der Nyiragongo mindestens 400.000 Menschen zur Flucht. Auch das Auswärtige Amt und das britische FCDO haben diese Katastrophe auf dem Schirm und weisen darauf hin, dass Reisende auf dem Weg nach Ruanda bei der Einreise in der Regel einen negativen PCR-Test benötigen.

Am Mittwoch (26.05.) verunglückte im Nordosten Nigerias eine Fähre auf dem Fluss Niger. Das Schiff befand sich auf dem Weg vom gleichnamigen Bundesstaat zum anderen Ufer im Nachbarstaat Kebbi. Behörden gingen direkt nach dem Unglück von bis zu 200 Passagieren (v.a. Frauen und Kinder) aus, von denen in den ersten Stunden nur etwas mehr als 20 gerettet werden konnten. Das Schiff, das deutlich überladen seinen Hafen verlassen hatte, war aus ungeklärtem Grund auseinandergebrochen und gesunken. Auf dem Fluss kommt es regelmäßig zu Unfällen, oft sind Kollisionen mit im Wasser treibenden Baumstämmen die Ursache.

Ebenfalls Mitte der Woche hielt mit Zyklon Yaas ein weiterer Tropensturm den indischen Subkontinent in Atem. Dieses Mal traf es die Ostküste, vor allem den dicht besiedelten Bundesstaat Westbengalen. Mehr als eine Million Menschen wurden in Sicherheit gebracht, die Opferzahlen blieben deshalb relativ gering.

Den größten Aufreger diese Woche lieferte ein unerhörter Vorfall, der sich am Sonntag (23.05.) im Himmel über Belarus zutrug: Ryanair Flug 4978 befand sich auf dem Weg von Athen nach Vilnius, als er über belarussischem Gebiet zur Landung in Minsk gezwungen wurde. Die dortige Flugsicherung hatte der Crew eine angebliche Bombendrohung gemeldet und die Maschine nach Minsk umgelenkt. (Die Drohmail ist nach aktuellen Erkenntnissen jedoch erst nach dem Funkkontakt zwischen dem Ryanair-Flug und dem Tower in Minsk versendet worden.) Schnell wurden die eigentlichen Gründe für die Aktion klar: Für den belarussischen Journalisten Roman Protassewisch, der das Flugzeug in Athen bestiegen hatte, sollte die Reise in Belarus enden. Er wurde direkt am Flughafen festgenommen, bevor die Maschine ihre Reise fortsetzen konnte. Nun stellt sich die berechtigte Frage: Wird durch dieses Ereignis ein Präzedenzfall für die Diktaturen der Welt geschaffen, wenn ein Oppositioneller auf einem Flug von einem EU-Staat in einen anderen nicht sicher ist? Die Reaktionen auf diese beispiellose Intervention ließen jedoch nicht lange auf sich warten: Die EU sowie die USA und andere Staaten haben bereits Sanktionen gegen das Lukaschenko-Regime ausgesprochen.

Author

Thorsten Muth