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Global Monitoring: Die Woche

Indien wird jährlich von zwei bis vier tropischen Stürmen heimgesucht, meistens ist die Ostküste des Landes betroffen. Größere Wirbelstürme im Westen sind seltener. Am Wochenende jedoch zog Zyklon Tauktae die indische Westküste entlang und traf am Dienstag (18.05.) im Bundesstaat Gujarat auf Land. Hunderttausende mussten evakuiert werden, der Flugbetrieb in Ahmedabad wurde eingestellt. Offiziell starben 127 Menschen, doch die Zahl der Vermissten ist hoch. Auch Maharashtra und Rajasthan waren betroffen. Vor Mumbai war Tauktae über ein Ölfeld gezogen, wobei dutzende Lastkähne und Frachtschiffe in Seenot gerieten und hunderte Menschen von der indischen Marine gerettet werden mussten. (Aktuell zieht auf der anderen Seite des Globus vor Bermuda der mögliche Tropensturm Ana auf; A3M beobachtet die Situation aufmerksam.)

Die Lage in Kolumbien ist immer noch brenzlig. Das Land mit der dritthöchsten Zahl an COVID-19-Toten in Lateinamerika hatte 2020 die schlechteste Wirtschaftsleistung in 50 Jahren verzeichnet und kämpft aktuell mit einer Arbeitslosigkeit von etwa 14 Prozent. Die jüngsten Steuerreformen sowie Veränderungen im Gesundheitssystem haben Gewerkschaften und Vereinigungen von Regierungsgegnern auf den Plan gerufen. Vor dem Hintergrund der angespannten sozialen Lage ist mit einem vorzeitigen Ende der Streiks und Demonstrationen, die bereits seit Wochen anhalten, aktuell nicht zu rechnen.

Zwischen Kolumbien und seinen Nachbarn kam es am Donnerstag (20.05.) unterdessen zu Unstimmigkeiten: Kolumbien hatte die Öffnung seiner Grenzen zu Panama, Peru, Ecuador und Brasilien bekannt gegeben, um erste Schritte zur Wiederbelebung der maroden Wirtschaft einzuleiten – allerdings hat Panama die gemeinsame Grenze kurz darauf wieder dicht gemacht. Auch Ecuador wolle nicht mitziehen, war aus Medienberichten zu vernehmen. Die Angst vor einer weiteren Ausweitung der Pandemie sei zu groß, einseitige Schritte seien zu gefährlich.

Die spanische Exklave Ceuta an der Küste Marokkos geriet Anfang der Woche in den Fokus der Berichterstattung: Innerhalb von zwei Tagen waren knapp 8.000 Migranten von Marokko aus auf spanisches Gebiet vorgedrungen, zumeist schwimmend und übers Wasser. Eine Person ertrank. Noch nie waren so viele Menschen in so kurzer Zeit in die 85.000 Einwohner zählende Stadt gekommen. Marokkanische Grenzbehörden hatten die Kontrolle der Strände kurzzeitig ausgesetzt. Spanische Medien vermuten hinter diesem Schritt eine Reaktion Marokkos: Spanien hatte die medizinische Behandlung des Chef der Unabhängigkeitsbewegung der Westsahara (Polisario), Brahim Ghali, wegen seiner COVID-19-Erkrankung gestattet – ein Affront gegen Marokko, das die Westsahara für sich beansprucht. Mindestens 4.800 Migranten wurden innerhalb von zwei Tagen wieder nach Süden abgeschoben.

Mit Drohnen und großem Polizeiaufgebot suchten Sicherheitskräfte in Dubai nach einer mysteriösen Wildkatze, die am Dienstag (18.05.) in Springs 3 gesichtet worden war. Zwei Tage später wurde gemeldet: Bei dem ungewöhnlich großen Tier soll es sich nicht um einen Jaguar, sondern um eine schwarze Hauskatze gehandelt haben. Videos hatten zuvor in den sozialen Medien für Aufregung und Panik gesorgt.

Angespannt bleibt das Verhältnis von Armenien und Aserbaidschan: Am Freitag (14.05.) waren aserbaidschanische Truppen erstmals mehr als 3 Kilometer auf armenisches Gebiet vorgedrungen und besetzten die Ufer des „Schwarzen Sees“, am Sonntag (18.05.) folgte ein groß angelegtes Manöver in Aserbaidschan. Am Mittwoch (19.05.) initiierte Russland die Gründung einer Kommission, die endgültig die bisher nur unzureichend markierte Grenzen zwischen den beiden verfeindeten Staaten festlegen soll. Was für große Unruhe in Armenien sorgte: Sowohl die Vereinigten Staaten als auch Großbritannien hatten am Mittwoch eine Reisewarnung für die Grenzregionen ausgesprochen – zuletzt war dies am Vorabend des Krieges im Herbst 2020 der Fall gewesen. Am Donnerstag (20.05.) forderte das Europäische Parlament unterdessen von Aserbaidschan die sofortige und bedingungslose Freilassung aller noch in Baku festgehaltenen armenischen Gefangenen.

Seit Mittwoch (19.05.) wird in Belgien nach einem 46-jährigen Berufssoldaten gefahndet, der in einem Abschiedsbrief dem bekannten Virologen Marc Van Ranst mit dem Tod gedroht hatte. Auch Moscheen in der Provinz Limburg wurden vorsorglich geschlossen, Eltern schickten ihre Kinder nicht in die Schule. Der Nationalpark Hoge Kempen in der Nähe der niederländischen Grenze war für die Öffentlichkeit gesperrt worden, nachdem die Polizei in einem abgestellten Auto vier Panzerabwehrraketen gefunden hatte. Bei der Suche nach dem Rechtsextremisten wurden die belgischen Behörden auch von deutscher und niederländischer Polizei unterstützt.

Ein kleiner Lichtblick aus Israel und Palästina: Nach 11 Tagen des Beschusses ist am frühen Freitagmorgen (21.05., 02:00 Uhr Ortszeit) eine Waffenruhe zwischen der militanten Hamas und der israelischen Armee in Kraft getreten. Ägyptische Vermittler hatten ein vorläufiges Ende der jüngsten Gewalteskalation erreicht, nachdem 232 Menschen im Gazastreifen und 12 Menschen in Israel durch gegenseitigen Beschuss gestorben waren. Der Verhandlungserfolg wurde von US-Präsident Biden, UN-Generalsekretär Guterres und dem deutschen Außenminister Maas begrüßt. Auslöser der Eskalation waren Proteste gegen Zwangsenteignungen von Palästinensern in Ostjerusalem sowie die Stürmung der Al-Aqsa-Moschee durch israelische Kräfte gewesen. Fachkundigen Beobachtern ist schon lange klar, dass es mehr als nur einer Waffenruhe bedarf, um Israelis und Palästinensern wirklich zu einem friedlichen Zusammenleben zu verhelfen.

In aller Welt wird fleißig geimpft. In Kirgisistan kam die Kampagne jedoch ins Stocken, nachdem in einer staatlichen Klinik ganze 1.000 Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V entsorgt werden mussten: Ein Mitarbeiter hatte den Kühlschrank ausgesteckt, um sein Handy zu laden.

Author

Thorsten Muth