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Afrika Krise

Ein Herz für Autokraten: Russlands wachsender Einfluss in Afrika

Man würde meinen, Russlands militärische Ressourcen sind derzeit vollauf gebunden, aber trotz des katastrophal verlaufenden Krieges in der Ukraine entwickelt sich Moskau zunehmend zur führenden Schutzmacht für bedrängte afrikanische Autokraten. Seit einigen Jahren wird die Liste afrikanischer Länder, in denen russische Truppen operieren, scheinbar immer länger, was sich für den Kreml auch schon in ganz konkreten Dividenden niederschlägt. So ist beispielsweise kaum ein afrikanisches Land gewillt, die russische Invasion der Ukraine auch nur verbal zu verurteilen. Auch wirtschaftlich ist das russische Engagement durchaus lukrativ.

Das Geschäftsmodell Wagner

In Afrika hat Moskau aus der Rettung von bedrängten Diktatoren ein regelrechtes Geschäftsmodell entwickelt. Gestützt auf verbreitete anti-französische Ressentiments in West- und Zentralafrika, verdrängt Russland in der Region zusehends Frankreich als Schutzmacht. Dabei sind es nicht reguläre russische Soldaten, welche zunehmend die Schmutzarbeit für afrikanische Autokraten übernehmen, sondern vorwiegend die sogenannte Wagner-Gruppe. Diese brutale Söldnertruppe fungiert de facto als Putins Privatarmee und wird beschuldigt, auf mindestens drei Kontinenten Kriegsverbrechen begangen zu haben. Der Einsatz von „Söldnern“ anstatt regulären russischen Soldaten macht dabei gleichzeitig Verluste leichter verschmerzbar und Moskaus offizielle Beteiligung bestreitbar.

Wagners Strategie in Afrika beinhaltet unter anderem pro-russische und regimefreundliche Informationskriegsführung, Trainings- und Unterstützungsleistungen für einheimische Sicherheitskräfte, aber vor allem direkte Kampfeinsätze. Die Gruppe fungiert auch oft als Mittler für den Aufbau direkter Beziehungen zum russischen Militär, für Waffenverkäufe und sogar für zwischenstaatliche Abkommen mit Russland. Im Gegenzug für diese Dienste erhält die Wagner-Gruppe dann für gewöhnlich lukrative Bergbau- oder andere Ressourcenkonzessionen.

Es gibt konkrete Beweise dafür, dass Wagner-Kräfte bereits Hunderte von Zivilisten massakriert und zahlreiche weitere Kriegsverbrechen in verschiedenen afrikanischen Ländern begangen haben. Ob diese brutalen Methoden eine bessere Lösung für das komplexe „Terrorismus“-Problem in West- und Zentralafrika darstellen als vorangegangene westliche Militäreinsätze, darf bezweifelt werden. Zumal sich beispielsweise im westafrikanischen Mali das Schutzversprechen vor den Übergriffen nationaler und örtlicher Machthaber zu einem erheblichen Anziehungsfaktor für aufständische Kräfte entwickelt hat.

Weiterhin afrikanische Liebesgrüße für Moskau?

Moskaus wachsender Einfluss in Afrika könnte sich aber trotzdem als ein eher kurzlebiges Phänomen erweisen. Dieser hängt nämlich zu großen Teilen von einem sorgsam kultivierten Image als effektive Militär- und Schutzmacht ab, welches in letzter Zeit empfindlichen Schaden genommen hat. Seit Februar haben die russischen Streitkräfte tausende schwere Waffensysteme und mehrere zehntausend Soldaten in der Ukraine verloren. Noch problematischer in der Außenwirkung sind dabei aber wohl die geradezu allgegenwärtigen Bilder russischer militärischer Inkompetenz. Kaum eine Minute vergeht, ohne dass neues Anschauungsmaterial für die Fehlschläge miserabel ausgerüsteter, geführter und ausgebildeter russischer Truppen in den sozialen Medien auftaucht. Darüber hinaus kann es sich Russland kaum leisten, weitere dringend benötigte militärische Ressourcen nach Afrika zu schicken. Ganz im Gegenteil, angeblich werden russische Kräfte sogar zunehmend aus afrikanischen Ländern abgezogen, um die Front in der Ukraine zu stabilisieren. Was weder Moskaus Rolle als Hauptwaffenlieferant noch als Sicherheitsgarant für Afrika stärken dürfte.

Quo Vadis Afrika

Natürlich wird Russland auch weiterhin versuchen seinen Einfluss in Afrika auszubauen, allein schon um seiner zunehmenden internationalen Isolation entgegenzuwirken. Eine von Sanktionen gebeutelte Wirtschaft und ohnehin schon geringe Handelsbeziehungen setzten dem Kreml hier aber zusätzliche Grenzen. Wenn Russland strauchelt, könnte allerdings China versucht sein, an dessen Stelle zu treten. Das Reich der Mitte ist bereits jetzt der führende Handels- und Investitionspartner für weite Teile Afrikas und in den letzten Jahren hat Peking auch seine Militärpräsenz auf dem Kontinent kontinuierlich ausgebaut. Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass China Pläne für großangelegte militärische Einsätze in Afrika hegt. Der Gedanke an eine engere Kooperation zwischen Afrikas führendem Waffenlieferanten und seinem größten Finanzier dürfte aber trotzdem in einigen westlichen Hauptstädten für schlaflose Nächte sorgen.

Author

Michael Trinkwalder