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Wird jeder Sommer ein „Waldbrandsommer?“

Wird jeder Sommer ein „Waldbrandsommer“?

Neben den hohen Temperaturen haben derzeit einige Länder mit Waldbränden zu kämpfen. Der trockene Winter verlegte den Beginn der Waldbrandsaison dieses Jahr nach vorne. Dies führt besonders in den südeuropäischen Ländern zu gefährlichen Gegebenheiten. Die Trockenheit und die extreme Hitze verschlimmern die Gefahr von Waldbränden. Im Südwesten Frankreichs mussten mehr als 34.000 Personen, Anwohner und Urlauber gleichermaßen, evakuiert werden. Auch in Spanien mussten Tausende ihre Häuser verlassen. Mindestens zwei Personen kamen dort ums Leben. In Portugal sind gegen 30 Brände mehr als 1.000 Feuerwehrleute im Einsatz, aktuell ist die Gefahr noch nicht gebannt. 2017 kamen bei zerstörerischen Waldbränden in Portugal mehr als hundert Personen ums Leben.

Auch in Deutschland kam es in diesem Sommer schon zu Besorgnis erregenden Waldbränden, bei denen Evakuierungen vorgenommen werden mussten. Die verheerenden Brände des letzten Jahres in der Türkei und in Griechenland sind uns noch gut im Gedächtnis. Müssen wir uns also an diesen Zustand gewöhnen?

Wie funktioniert ein Waldbrand?

Im sommertrockenen Mittelmeerklima sind Vegetationsbrände keine Seltenheit und nicht alle Brände sind ungewollt: Das kontrollierte Abbrennen von Vegetation gehört zur Kulturlandschaftspflege und kann sogar einen Beitrag dazu leisten, unkontrollierte Brände zu vermeiden. Erst wenn ein Feuer außer Kontrolle gerät, wird es zur Gefahr für Leib und Leben, zur Herausforderung für die Wirtschaft und nicht zuletzt zu einer Bedrohung ganzer Ökosysteme.

Waldbrände sind nie gleich. Drei Faktoren bestimmen vornehmlich das Verhalten eines Brandes: So spielt etwa die Beschaffenheit des Brennstoffs eine Rolle, wobei vor allem feines Material wie Blätter, Zweig oder Gräser für einen Brand entscheidend sind. Das Wetter bestimmt, wie einfach sich der Brennstoff entzünden lässt. Daneben hängen von den Wetterbedingungen die Ausbreitung, Intensität und Größe des Brandes ab. Schließlich wirkt sich das Gelände auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit aus. Durch die topografische Gegebenheit kann sich auch der Zustand und die Zusammensetzung des Brennstoffes ändern. Um einen Brand zu entfachen, sind die Dichte und Anzahl von Entzündungsquellen entscheidend. Dies können Blitzschläge sein, aber in den meisten Fällen handelt es sich um menschliches Handeln, etwa bei Erntearbeiten. Aber auch mutwilliges oder fahrlässiges Feuerlegen gehört zu den menschengemachten Ursachen.

Der erste Schritt in der Bekämpfung und Verhinderung ist Informationen über die Faktoren, die einen Ausbruch und einen Brand beeinflussen, zu erheben. Dann können identifizierte Risiken reduziert werden. Dies kann von geänderter Landnutzung bis zu verstärkter Bekämpfung von Brandstiftung gehen. Auch nach Beachtung dieser Punkte können Brände ausbrechen. Dann wird entscheidend, dass die Betroffenen entsprechend vorbereitet sind und evakuiert werden können.  Erst dann kann ein Brand aktiv bekämpft und weitere Schritte eingeleitet werden. Schließlich gehören auch Wiederaufbau und Wiederherstellung zum Antwortenkatalog.

Wie sieht es in Zukunft aus?

Laut dem letzten Bericht des IPCC werden Wetterbedingungen, die Brände auslösen können – also trockenes, heißes und gleichzeitig windiges Wetter – in manchen Gebieten zunehmen und mit stärkerer Klimaerwärmung noch häufiger werden. Gleichzeitig bleiben kalte, feuchte Nächte zunehmend aus. Das UN-Umweltprogramm geht davon aus, dass bis 2050 30 Prozent mehr extreme Brände zu verzeichnen sein werden. Bis zum Ende des Jahrhunderts sollen es doppelt so viele sein. Eine aktuelle Studie sieht einen Zusammenhang zwischen, durch Waldbrände zerstörten Wäldern, die als CO2-Senken dienen und der Häufigkeit von Wetterbedingungen, die Brände begünstigen.

Es wird angemahnt, dass die Art und Weise, wie gegen Brände vorgegangen wird, geändert werden müsse. Bisher steht der Fokus auf der Bekämpfung, stattdessen sollten präventiv die Risiken für einen Ausbruch eines unkontrollierten Brandes gesenkt werden.

Auswirkungen betreffen auch den Tourismus

Eines kann klar festgehalten werden: Brände nehmen sich keinen Urlaub. Die Schäden durch Waldbrände sind für den Tourismus enorm. Gefahren für Reisende bestehen nicht nur direkt durch die Brände. Vor allem Rußpartikel, die in die Luft geschleudert werden, können negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.  Diese Partikel werden über weite Distanzen getragen, was sich beispielsweise bei den Waldbränden in Kalifornien von 2020 gezeigt hat: Kleinstpartikel wurden damals bis nach Europa getragen. Daneben verschmutzen Brände Gewässer und entziehen zahlreichen Arten den Lebensraum.

Wie beobachtet A3M Global Monitoring?

A3M Global Monitoring konnte weltweit in den letzten fünf Jahren 108 Waldbrände mit mindestens erhöhten Einschränkungen für Reisende ausmachen, davon allein 35 seit Juli letzten Jahres. Im Zeitraum von Juli 2020 bis Juli 2021 waren es 10. Daraus lässt sich ein deutlicher Trend ableiten: Brände, die Reiseeinschränkungen auslösen, nehmen deutlich zu!

Bei der Waldbrand-Beobachtung wertet A3M Global Monitoring aktuelle Informationen von hunderten Behörden, Medienquellen und den sozialen Netzwerken aus. Daneben werden auch Satellitendaten in das System eingespielt, wobei die direkt betroffene Fläche – also Gebiet, das direkt von einem Brand betroffen ist – laufend aktualisiert wird. Potenziell und indirekt betroffene Gebiete werden dabei ebenfalls ausgewiesen. Auch weniger gefährliche Brände werden im System registriert und mit einem Ereignis versehen, sobald Behördenmaßnahmen ausgelöst wurden.

Author

Dominik Manal