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A3M Safer Tomorrow – Sicherheitstrends 2022

A3M Safer Tomorrow

- Sicherheitstrends 2022 -

Anfang 2021 blickte die Welt, hoffnungsvoll gestimmt durch die entwickelten Impfstoffe, einem Ende der Covid-19-Pandemie und einer Rückkehr zur Normalität entgegen. Schnell aber stellte sich heraus, dass auch 2021 alles andere als normal sein würde. Nach der ersten Ernüchterung durch die stockende Impfstoffverteilung folgten Virusvarianten in Form von Delta und jüngst Omikron. Mit 2022 beginnen wir nun das dritte Jahr mit der Pandemie.

Das Virus hat die Welt schon jetzt nachhaltig verändert und war maßgeblicher Faktor für viele andere sicherheitsrelevante Entwicklungen. So fungierte die Pandemie als Brennglas für schwelende soziale und politische Konflikte, sie hat Ungleichheiten, gesellschaftliche Missstände und soziale Spaltung aufgedeckt und in Teilen verschärft, politische und institutionelle Fragilität offengelegt und hervorgebracht. Die Welt hat letztlich nicht nur eine Gesundheitskrise bekämpft, sondern auch eine gesellschaftliche Krise. Viele reiche Staaten waren trotz gut funktionierender Gesundheitssysteme stark von der Pandemie betroffen, während sich andere mit ihrem effektiven Pandemie-Management  als überraschend resilient herausgestellt haben. Denn um eine Pandemie zu bekämpfen, braucht es nicht nur funktionierende, gut ausgestattete Gesundheitssysteme und politische Institutionen, auch gesellschaftlicher Zusammenhalt, ist ein entscheidender Faktor. 

Viele der langfristigen Folgen der Pandemie sind Stand heute noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß absehbar. So wird beispielsweise der globale Trend der Überwachung durch Regierungen in der Pandemie, Gesellschaften und Demokratien noch über Jahre nachhaltig verändern. Das Jahr 2022 wird von der Anpassung an die Folgen der Pandemie und die Behandlung der politischen und gesellschaftlichen Long-Covid-Symptome gekennzeichnet sein.

Unsere Travel Security Analyst*innen beobachten für Sie 24/7 an 365 Tagen im Jahr sicherheitsrelevante Entwicklungen aus 40 Kategorien weltweit und warnen vor potenziellen Sicherheitsrisiken. Dafür werten wir jeden Tag tausende Quellen aus, von lokalen Medien, Nachrichtenagenturen, sozialen Medien bis hin zu Regierungshinweisen. Basierend auf den Ereignisdaten des Global Monitorings aus dem vergangenen Jahr sowie den Einschätzungen unserer erfahrenen Travel Security Analyst*innen blicken wir im Folgenden auf das vergangene Jahr 2021 zurück, und präsentieren Ihnen erstmals einen ausgewählten Einblick in die reise- und sicherheitsrelevanten Entwicklungen, die man im Jahr 2022 im Blick haben sollte.

Eine der Lehren aus dem vergangenen Jahr ist, dass Pandemien sich nicht durch einen „Freedom Day“ verabschieden lassen und es eine Rückkehr zu einem Pre-Covid Zustand nicht geben wird; vielmehr jedoch klingen Pandemien langsam über die Zeit ab. Auch Omikron wird die Welt noch einige Monate in Schach halten und die Einschränkungen im Flug- und Zugverkehr über die Feiertage, bedingt durch massive Personalausfälle durch Infektionen und Quarantänezeiten, geben einen Vorgeschmack darauf, was uns noch erwartet.

Auch wenn sich die Situation zum Jahreswechsel mit den neuen Varianten, Einreiseverboten und Lockdowns anfühlt wie ein böses Déjà-vu, so ist die Welt mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Impfstoffen und neuen Covid-Medikamenten doch heute besser gegen die kommenden Herausforderungen gerüstet als noch vor einem Jahr. Experten zufolge wird Covid-19 in absehbarer Zeit endemisch. Auch die WHO gibt zum Jahreswechsel eine optimistische Einschätzung ab; so könnte die akute Phase der Pandemie bis Mitte 2022 überstanden sein, wenn bis dahin 70% der Weltbevölkerung geimpft sind. Stand Januar 2022 sind etwa 50% der Weltbevölkerung vollständig geimpft, mit massiven Rückständen auf dem afrikanischen Kontinent. Wann genau die Pandemie aber zu einer Endemie wird, hängt noch von vielen weiteren Faktoren wie z.B. künftigen Virusvarianten, aber auch der effektiven Reaktion der Gesellschaft, ab. Eine Endemie bedeutet aber auch, dass wir mittelfristig mit dem Virus werden leben müssen. So wird Covid-19 letztendlich eine von vielen endemischen Krankheiten werden, die in ärmeren Ländern der Welt zwar noch ein Risiko, aber in reichen Ländern keine lebensbedrohliche Erkrankung mehr darstellt. Die globale Impfstoffverteilung ist dabei ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der Pandemie, denn auch reichere Länder werden ohne internationale Impfstoffgerechtigkeit nicht langfristig sicher vor dem Virus sein.

Nicht nur Covid-19, auch Pandemien als globales (Gesundheits-)Risiko werden uns in Zukunft erhalten bleiben. Diese Pandemie ist leider kein „once-in-a-lifetime-event“, sondern zeigt einen größeren globalen Trend auf, der bereits als „Ära der Pandemien“ bezeichnet wird. Einer Studie zufolge, welche die potenzielle zukünftige Entwicklung von Pandemien modelliert, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Pandemie in den nächsten 25 Jahren bei 47-57% . Das vermehrte Aufkommen von Pandemien ist Experten zufolge vor allem zurückzuführen auf menschengemachte Lebensbedingungen in einer globalisierten Welt, charakterisiert durch Klimawandel, die Intensivierung der Landwirtschaft und Viehhaltung, zunehmende Eingriffe in die Natur und den dadurch verstärkten Kontakt mit Wildtieren. Die weltweit erhöhte Reisebewegung sowie die Urbanisierung beschleunigen die rapide Ausbreitung von Krankheitserregern zusätzlich. Am wahrscheinlichsten ist das Aufkommen eines neuen gefährlichen Krankheitserregers durch Spillover-Infektionen von Tieren auf Menschen, bedingt durch Intensivtierhaltung und die langen Transportwege tierischer Produkte. Auch der Klimawandel stellt einen weiteren Risikofaktor dar; so ermöglichen die steigenden Temperaturen die Vermehrung von Krankheitsübertragenden Insekten und deren Vordringen in neue Gebiete. Auch immer häufiger werdende Überschwemmungen sind eine Brutstätte für Moskitos, die so zu einem vermehrten Auftreten von Dengue-Fieber führen. Besonders Subsahara-Afrika und Südasien sind vulnerabel für zukünftige pandemische Ausbrüche.

Während sich in den vergangenen zwei Jahren ein Einbruch vor der Pandemie existierender Protestbewegungen verzeichnen lässt, haben Unruhen, politisch motivierte Gewalt und Kriminalität weltweit zugenommen und das trotz Pandemie-bedingten Restriktionen von öffentlichen Versammlungen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf durch die Pandemie verstärkte, bereits bestehende soziale Missstände und wirtschaftliche Folgen, das Missmanagement der pandemischen Lage durch Regierungen und den damit verbundenen Vertrauensverlust sowie die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung. 

Exemplarisch für die gesellschaftliche Spaltung und wachsende politische Instabilität, die auch im Westen zu beobachten ist, sind die USA, welche 2020 mit den Antirassismus-Protesten die größten Proteste in ihrer Geschichte verzeichneten. Diese führten zu weiteren Spannungen zwischen den politischen Lagern und dieser Trend fand mit dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021, unter dessen Teilnehmern sich auch rechtsextreme Gruppen befanden, erstmals seinen dramatischen Höhepunkt. Der Fragile State Index 2021 verzeichnet die größte relative Zunahme an Fragilität in den USA, gefolgt von Armenien und Äthiopien.

Während Westeuropa, Australien und die USA von Covid-Demonstrationen mit teils massiven gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen Tausende gegen Covid-Eindämmungsmaßnahmen und Impfpflichten protestierten,  erschüttert wurden, beklagten die Menschen in Teilen Südamerikas, so z.B. in Brasilien, die laxe Handhabung durch die Regierung und gingen für schärfere Maßnahmen der Pandemiebekämpfung auf die Straße.

In zahlreichen weiteren Protestbewegungen geht es nicht vorrangig um Covid-19, sondern um lang anhaltende politische Missstände, in jedem dieser Fälle aber stellt die Pandemie einen zusätzlich verschärfenden Faktor dar. In Kuba, Südafrika und Kolumbien kam es aufgrund von durch die Pandemie verstärkter Armut und Arbeitslosigkeit zu massiven Protesten gegen die Regierungen. In Thailand entwickelte sich aus Demonstrationen gegen das Pandemiemanagement der Regierung eine größere Bewegung, die eine Reform der thailändischen Monarchie forderte. In den französischen Überseegebieten Guadeloupe und Martinique vermischten sich Unruhen als Reaktion auf Covid-Restriktionen mit Unabhängigkeitsbestrebungen.

Eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IMF) vom Dezember 2020 bestätigt diesen Trend. Die Studie, die über 133 Länder zwischen 2001 und 2018 den Zusammenhang zwischen Pandemien und Unruhen untersucht, stellt einen Höhepunkt des Protestgeschehens 24 Monate nach Ausbruch einer Pandemie sowie ein mittelfristig erhöhtes Risiko für Unruhen und Anti-Regierungsproteste durch Ungleichheit und Arbeitslosigkeit fest. Dieser Effekt ist besonders stark in Ländern mit bereits bestehender hoher Einkommensungleichheit. Länder mit mittlerem Einkommen wie Brasilien, Indien, Philippinen und Kenia etc. sind somit besonders vulnerabel. Ein Blick auf die Folgen des Ebola-Ausbruchs in Westafrika zeigt eine Zunahme ziviler Gewalt um 40% und die Unruhen halten mittelfristig an. Damit könnte 2022 ein unruhiges Jahr werden.

Auch im Streikgeschehen zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. Da viele stark von der Pandemie getroffene Sektoren einen massiven Personalmangel durch berufliche Abwanderung in andere Branchen verzeichnet haben, haben Arbeitende in diesen Branchen an Verhandlungsmacht und politischer sowie medialer Sichtbarkeit gewonnen. Auf Grundlage dessen ist im kommenden Jahr auch mit einer Zunahme von Streikaktivitäten in diesen Branchen zu rechnen.

Ein einschneidendes Ereignis im vergangenen Jahr war die Rückkehr der Taliban an die Macht und der chaotische Abzug der USA nach zwei Jahrzehnten in Afghanistan. Durch die internationalen Sanktionen als Reaktion auf die Machtübernahme der Taliban sowie die schlimmste Dürre in Jahrzehnten, zeichnet sich eine humanitäre Katastrophe in Afghanistan ab, in deren Folge Millionen Menschen in den kommenden Monaten vom Hungertod bedroht sein könnten. Nach der initialen Fluchtwelle im Sommer 2021 könnte eine persistente humanitäre Krise sowie die zunehmende Unsicherheit durch Anschläge und Kämpfe mit dem verfeindeten „Islamischen Staat“ in Afghanistan weitere Fluchtbewegungen nach Europa auslösen. Die Machtübernahme der Taliban birgt aber auch weitere Sicherheitsimplikationen für die Region, u.a. könnte dies zu vermehrten islamistischen Anschlägen im benachbarten Pakistan führen. Ein langfristiger Regierungserfolg der Taliban könnte auch zu einem Modell für islamistische Gruppierungen in Syrien, Jemen oder Westafrika werden, wo islamistische Aufstände in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Sollten sich die Taliban mit anderen islamistischen Gruppierungen zusammenschließen, besteht außerdem die Gefahr, dass sich Afghanistan zu einem sicheren Hafen für Dschihadisten entwickelt.

Während sich in Afrika und im Nahen Osten islamistische Gruppierungen den Druck durch die Pandemie auf Regierungen zu Nutze machen, sind es im Westen rechtsextreme Gruppen, die von Lockdowns und dem Vertrauensverlust in die Regierungen profitieren.

Im Rahmen der Covid-Proteste haben „Querdenker“, Impfgegner, Esoteriker, Verschwörungsideologen und Linke sowie Familien Seite an Seite mit Rechtsextremen und Reichsbürgern protestiert. Rechtsextreme haben die Unsicherheit der Pandemie und den Vertrauensverlust in die Regierungen instrumentalisiert, um Unterstützer für ihre Agenda zu rekrutieren. Auch der Verfassungsschutz warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung von Impfgegnern und „Querdenkern“ , maßgeblich gestützt durch Verschwörungserzählungen. Verschwörungserzählungen wie „QAnon“ sind sowohl in den USA als auch in Deutschland auf dem Vormarsch und verbreiten sich rasend schnell über soziale Medien und Messenger-Dienste wie Telegram. Beobachter der Szene berichten von einer massiv gestiegenen Gewaltbereitschaft, die im Dezember 2021 nach Morddrohungen gegen den sächsischen Ministerpräsidenten in Razzien mündete, nachdem es im September zu einem ersten Todesopfer kam, als ein Tankstellenkassierer in Idar-Oberstein im Streit um die Maskenpflicht erschossen wurde. Der bayerische Innenminister warnt im Zusammenhang damit auch vor einer wachsenden Gefahr durch rechtsextremistische Straftaten. Aufgrund der Stärkung der Organisation und Mobilisierung extremistischer Gruppierungen in der Pandemie, während gleichzeitig die Zahl der Terroranschläge aufgrund von Lockdowns und geringerer Mobilität im öffentlichen Raum signifikant zurückgegangen ist, ist im kommenden Jahr mit einem vermehrten Auftreten terroristischer Anschläge sowie extremistischer  Gewalttaten zu rechnen.

Nicht nur Islamisten und Rechtsextremisten gehen gestärkt aus der Pandemie hervor. Auch die organisierte Kriminalität, insbesondere Drogenkartelle in Lateinamerika haben sich als resilient erwiesen. Drogenbanden konnten durch Lockdowns und Arbeitslosigkeit Rekruten für sich gewinnen und kriminelle Banden haben sich in der Umsetzung und Kontrolle von Corona-Schutzmaßnahmen wie Ausgangssperren zum Teil als effektiver erwiesen als die Regierungen. Es ist eine Zunahme von Gewalttaten rivalisierender Gangs in Mexiko, Brasilien und Chile zu beobachten, im mexikanischen Tulum z.B. ist die Mordrate im vergangenen Jahr um 80% gestiegen. Unter den Toten sind zunehmend auch ausländische Reisende, die zwischen die Fronten geraten. Im vergangenen Juni kamen zwei Touristinnen bei einer Schießerei zwischen Banden ums Leben. Die Gewalt verlagert sich auch vermehrt in touristische Hotspots, so kam es im November zu einer Schießerei auf einem beliebten Strand in Cancún

Die Zahl der Todesopfer durch direkte Kampfhandlungen ist in den letzten sieben Jahren rückläufig und auch während der Pandemie hat das weltweite Konfliktgeschehen tendenziell eher abgenommen. Wenngleich kaum noch zwischenstaatliche Kriege geführt werden, gibt es heute mehr lokale Konflikte auf niedriger Intensität als je zuvor, die mehr zivile Opfer durch Hunger, Nahrungsmittelknappheit und Vertreibung fordern. Die Art, wie Kriege geführt werden, verändert sich. Cyberangriffe, Desinformation und die Restriktion des Internetzugangs sowie die Instrumentalisierung von Migranten stellen neue Trends in der internationalen Konfliktaustragung dar. Auch Stellvertreterkriege unter Beteiligung von Großmächten stellen eine wachsende Gefahr dar.

Hier sind die politischen Krisen und Konflikte, die Sie für 2022 auf dem Radar haben sollten:

Sudan

Der Konflikt um die Bildung einer konsolidierten Regierung, welche die wirtschaftlichen Probleme des Sudans zu lösen sucht, ist seit dem Sturz des langjährigen Autokraten Omar al-Bashir 2019 nicht abgeflacht und die wirtschaftliche Lage hat sich inmitten der Pandemie zusätzlich verschlimmert. Der Partizipationswille am politischen Wandel ist durch Protesterfolge auch bei einer breiten Schicht von Frauen gewachsen. Eine demokratische Umstrukturierung politischer Ämter, wie auch wirtschaftlicher Monopolstellungen, die vom Militär und Familienclans kooptiert werden, ist erst möglich, wenn eine zivile Regierung gebildet wird.

Ukraine/Russland

Die drohende Eskalation russischer Militärpräsenz an der ukrainischen Grenze scheint im Zuge der Gespräche mit den USA einen Kanal der Diplomatie zu finden, dennoch können die USA der Forderung Russlands, eine NATO-Osterweiterung einzustellen, nicht nachgeben. Dieses Thema wird, unabhängig vom Ausgang des Gipfels, ein konstanter Interessenkonflikt Russlands mit jenen Staaten sein, die einen Zugang zur NATO anstreben. Mit welchen Mitteln Russland seine Forderung geltend macht, wird das Jahr 2022 zeigen.

Nordkaukasus

Russlands geopolitische Interessen im Nordkaukasus erlauben keine Änderung der politischen Verhältnisse. Die autonomen Republiken stehen in Konkurrenz zueinander. Wenn sich auch die Anzahl der gewalttätigen Konflikte im Vergleich zu den Vorjahren auf ein Minimum reduzierten, so sind eine fragile Wirtschaftslage, die Russland nicht vollständig ausgleichen kann, Brandbeschleuniger in dieser Region. Befeuert wird die Situation auch durch ethno-politische Spannungen der verschiedenen autonomen Republiken, bei denen Tschetschenien mit Ramsan Kadyrow einen besonders aggressiven Präsidenten im Amt hat.

Libanon

Die Konfliktlinien des Libanons, an denen die Staatlichkeit zu zerbrechen droht, sind vielfältig und bewegen sich u.a. zwischen religiösen Gruppierungen. Ihnen werden konstitutionell zugesicherte Staatsämter garantiert, dies führt zu neopatrimonialen Netzwerken und der daraus folgenden Konkurrenz im Bereich der Wirtschaft. Hinzu kommt eine marode Infrastruktur, die durch die Explosion von 2,7t Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut im Herbst 2020 noch weiter geschädigt wurde. Die Wahlen, die nach dem Rücktritt von zwei Regierungen für dieses Jahr angekündigt sind, markieren einen Hoffnungsschimmer für die Bevölkerung, welche die Last der ruinösen Lage trägt. Eine humanitäre Katastrophe mit anschließenden gewalttätigen Auseinandersetzungen ist daher für das Jahr 2022 nicht unwahrscheinlich.

Kasachstan

Die tödlichen, von sprunghaft angestiegenen Flüssiggaspreisen ausgelösten Proteste, mit denen das Jahr in Kasachstan begann, werden nicht verschwinden. Wenn eine Intervention des von Russland geführten internationalen Militärbündnisses mit Legitimation Chinas die Demonstrationen auch vorübergehend beenden konnte, so bleiben vorhandene Konfliktlinien in dem polyethnischen Staat bestehen. Das autokratisch, von oligarchischen Clanstrukturen, beherrschte Kasachstan, lässt die Bedürfnisse seiner Bevölkerung nach Grundsicherung, politischer Partizipation sowie sozio-ökonomischem Wandel zurück, während eben jene Herrschaftsstrukturen versuchen, sich im Schatten Russlands als unabhängiger Nationalstaat zu entwickeln. Der entstandene Riss wird außerstaatlich die geopolitischen und politökonomischen Interessen der Parteien Russland, China, der USA, der Türkei und der EU verdeutlichen und innerstaatlich auf ethnisch-religiöse Konfliktlinien hinweisen. 

Israel/Palästina

2021 war eines der gewalttätigsten Jahre im langen Konflikt zwischen Israel und Palästina. Ausgelöst wurde die Gewalteskalation im April 2021 durch die geplante Räumung Scheich Dscharrahs, einem Bezirk Ost-Jerusalems sowie der Auflösung von Protestgruppen in der Al-Aqsa Moschee. Der Konflikt forderte knapp 250 Tote in 11 Tagen und mehr als 1900 Verletzte. Der Konflikt steht in einer Reihe von immer wieder auftretenden gewalttätigen Auseinandersetzungen in Israel, Palästina und den Siedlungsgebieten. Die Zwei-Staaten-Lösung scheint schon lange außer Sichtweite und das Konfliktpotenzial, insbesondere gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen israelischen Siedlern und Palästinensern bleibt auch 2022 auf einem alamierend hohen Niveau.

Das Jahr 2021 war Schätzungen des schweizerischen Rückversicherers Swiss Re zufolge eines der teuersten Naturkatastrophenjahre. Die versicherten Schäden seien im Vergleich zum Vorjahr um 17% gestiegen. Die Klimawissenschaft geht davon aus, dass eine weitere Erderwärmung die Häufigkeit und Schwere akuter Klimagefahren wie Hitzewellen, Überschwemmungen durch extreme Niederschläge und Wirbelstürme weltweit weiter erhöhen wird.

Während klimawandelbedingte Wetterextreme in Form von Überschwemmungen, Stürmen und Dürren bis dato zumeist die ärmeren Regionen der Welt am stärksten getroffen hatten , wurden seine Auswirkungen 2021 auch auf der Nordhalbkugel präsenter. So forderte die verheerende Flutkatastrophe im Sommer in Deutschland und seinen Nachbarstaaten mehr als 200 Todesopfer und mehr als 600 Verletzte. 

Durch Hurrikan Ida, den fünftstärksten Wirbelsturm, den die USA je erlebt hat, kamen im August Dutzende ums Leben. Durch Taifun Rai starben auf den Philippinen im Dezember über 300 Menschen, es kam zu Beeinträchtigungen bei der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Strom sowie bei der Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur und zehntausende Gebäude wurden beschädigt, darunter auch Teile der inländischen Flughäfen. Zyklon Tauktae zerstörte im Mai mehr als 600.000 Gebäude in der indischen Provinz Gujarat, Dutzende kamen ums Leben.  Der Südosten der USA, sowie Teile Südostasiens sind besonders bedroht durch Hurrikans, die in ihrer Intensität und Häufigkeit zunehmen und immer schwerer prognostizierbar werden.

Im Nordosten der USA, einschließlich des Großraums New York City kam es durch Überschwemmungen infolge starker Niederschläge im Oktober zu massiven Verkehrseinschränkungen. Überschwemmungen in der chinesischen Provinz Henan forderten im Juli dutzende Todesopfer. Auch bei Überflutungen im Osten Brasiliens und im Südsudan kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Die Wahrscheinlichkeit extremer Niederschlagsereignisse gefolgt von Überschwemmungen wird sich vor allem in Teilen Chinas, Zentral- und Ostafrikas und der Ostküste Nordamerikas signifikant erhöhen.

Zerstörerische Waldbrände in Griechenland und dem Süden der Türkei haben im Sommer auch touristische Regionen massiv betroffen, zahlreiche Menschen kamen durch die Brände ums Leben. Hitzewellen und damit einhergehende Waldbrände, wie im Juli in Kalifornien und im kanadischen British Columbia, werden in Nordamerika häufiger auftreten. Auch Dürrezeiten und damit verbundene Wasserknappheit in Teilen des Mittelmeerraums, dem südlichen Afrika sowie Mittel- und Südamerika werden langfristig signifikant zunehmen.

Ganze Regionen könnten so bis 2050 unbewohnbar werden, wodurch sich auch langfristig neue gewalttätige Konflikte und Fluchtbewegungen entwickeln könnten. Auch wenn viele dieser Entwicklungen noch einige Jahrzehnte entfernt liegen mögen, sind klimawandelbedingte Wetterextreme schon jetzt ein wachsender Risikofaktor, den sie auch heute schon im Blick haben sollten.

Covid-19 hat auch Urlaubs- und Geschäftsreisen nachhaltig verändert.  Während Reiseaktivitäten 2020 weitestgehend zum Erliegen kamen, öffneten sich 2021 wieder mehr Länder für die Einreise internationaler Touristen. Besonders touristisch geprägte Staaten Südasiens standen nach Monaten der Schließung unter finanziellem Druck, sich wieder für internationale Touristen zu öffnen. So erprobten beispielsweise Phuket in Thailand, Langkawi in Malaysia, Phu Quoc in Vietnam und Bali in Indonesien Pilotprojekte zur Öffnung einzelner touristischer Hotspots für geimpfte Reisende (sogenannte Sandbox-Modelle). Doch diese Modelle hielten meist aufgrund der Verbreitung der Omikron-Variante nur wenige Monate. Vor allem Länder mit Zero-Covid-Strategie, wie Australien, Neuseeland und China stehen 2022 vor der Herausforderung sich wieder für internationale Reisen zu öffnen und riskieren durch die geringe Immunität der Bevölkerung durch wenig Kontakt mit dem Virus, erneute Ausbrüche. Besonders in China, das erst jüngst wieder aufgrund weniger asymptomatischer Fälle über Millionenstädte harte Lockdowns verhängte, lässt sich eine Öffnung im Jahr 2022 nicht absehen.

Multilaterale Einreiseabkommen und bilaterale Travel Bubbles machten internationale touristische Reisen vor allem für Länder, die sich während der Pandemie stark abgeschottet hatten, wieder möglich, so z.B. in Singapur und Australien. Unterdessen suchte die EU nach regionalen Lösungen und Vereinheitlichungen, wie in Form des digitalen Covid-Zertifikats. Covid-Impfungen sind bereits jetzt ein entscheidender Faktor für internationale Reisen und das Reisen für Ungeimpfte wird manchmal nahezu unmöglich. Weltweit variiert aber die Gültigkeit der Impfnachweise von 3 bis zu 9 Monaten, sodass bald nicht mehr die Anzahl der erhaltenen Impfdosen, sondern vielmehr der Zeitpunkt der letzten Impfung für Reisende 2022 entscheidend sein könnte. 

Trotz Reiserestriktionen und Ansteckungsgefahr aber ist die Reiselust ungebrochen, das ergab eine Umfrage der Reiseanalyse 2021. So blickt auch der Deutsche Reiseverband optimistisch auf den Sommer 2022, in dem ein Reiseboom als Reaktion auf durch die Pandemie lang aufgeschobene Reisen erwartet wird. Dennoch hat sich die Art, wie wir reisen, verändert. Aufgrund von Einreisebeschränkungen wurde zunehmend lokaler gereist und auf lange Flugreisen verzichtet. Auch das Bewusstsein für umweltverträgliches Reisen ist gewachsen. Zum Schutz vor Ansteckungen wurde vermehrt auf private Transportmittel und Unterkünfte, anstelle von Hotels und öffentliche Verkehrsmittel zurückgegriffen. Durch weitverbreitete Homeoffice-Pflicht ließen sich oft auch Reisen durch mobiles Arbeiten verlängern. Durch den anhaltenden Trend hin zu Homeoffice und virtuellen Konferenzen anstelle von persönlichen Treffen werden auch Geschäftsreisen in den nächsten Jahren nicht mehr ihr Pre-Covid-Niveau erreichen. Damit könnten auch Privatreisen, die zuvor maßgeblich durch Geschäftsreisen subventioniert wurden, in Zukunft teurer werden.

Reisen werden auch im Jahr 2022 weiterhin Einreisebestimmungen und Testverpflichtungen unterworfen sein und eine Rückkehr zur (fast) uneingeschränkten globalen Mobilität, wie wir sie vor der Pandemie kannten, ist vorerst nicht zu erwarten. Auch in Zukunft wird auf das Aufkommen weiterer Virusvarianten oder hohe Inzidenzen mit harten Einreisesperren oder Quarantänezeiten für die betroffenen Länder reagiert werden. Die Erfahrungen mit Omikron aus dem vergangenen Winter zeigen aber auch, dass diese sich meist als wenig effektiv und dadurch nicht besonders langwierig erweisen. 

Sicherheit in Form von flexiblen Stornierungsmöglichkeiten für kurzfristige Änderungen der Einreisebestimmungen sowie die Nachfrage nach umfassenden Hygienekonzepten vor Ort ist in der Reisebranche zu einem tragenden Faktor geworden. Doch Einreisebestimmungen, Testpflichten, Quarantäneauflagen und die Gültigkeit von Impfungen sind von Land zu Land unterschiedlich und kurzfristigen Änderungen unterworfen. Um für diese neuen Herausforderungen der Reisebranche gewappnet zu sein, hat A3M im vergangenen Jahr den Destination Manager ins Leben gerufen. Der Destination Manager unterstützt Sie dabei, stets verlässlich und tagesaktuell den internationalen Überblick über Einreisebestimmungen, Testpflichten und Restriktionen auf Landes-, Regions- und Zielgebietsebene zu behalten.

Zu Beginn des Jahres 2022 blicken wir mit den weltweit zunehmenden sozialen Unruhen und den daraus resultierenden Gefahren politischer Instabilität und Kriminalität, der Bedrohung durch Rechtsextremisten im Westen, anhaltende und eskalierende politische Krisen, klimawandelbedingten Wetterextremen und einer Welt, die sich auf ein Leben mit Covid-19 einstellt, einem turbulenten Jahr entgegen. 

Gerade in so unberechenbaren Zeiten wie diesen bietet ein verlässlicher Partner wie A3M Struktur und Sicherheit. Unsere Expertise liegt im Monitoring und im Einschätzen globaler Risiken, regionaler Krisen und lokaler Gefahren. Unsere Analyst*innen verfolgen für Sie alle aufkommenden Risiken, von Epidemien, über Wirbelstürmen, politischen Unruhen, Terrorismus bis hin zu bewaffneten Konflikten sowie vielem mehr. A3M bietet effektivste Frühwarn-, Informations- und Kommunikationssysteme, um Schutz und Sicherheit für Geschäfts- und Urlaubsreisende zu bieten, sowie Mitarbeiter*innen in Auslandseinsätzen zu unterstützen.

Starten Sie noch heute mit uns in ein sichereres Morgen.

Behalten Sie jetzt außerdem mit unsererem Kalender alle sicherheitsrelevanten Termine im Blick.

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Travel Security Analyst Team

Comment (1)

  1.  
    2022-02-03

    […] über die Sicherheitstrends für 2022 von […]

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