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20.000 SMS in 17 Stunden – unser Travel Security Analysten Team bei der Arbeit

Am 04.03. um 20:37 Uhr läuteten bei den A3M Travel Security Analysts die Alarmglocken. Nach einem starken Erdbeben nahe der abgelegenen Kermadecinseln, die zu Neuseeland gehören, veröffentlichte das US-amerikanische Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) eine Tsunami-Warnung. Bereits wenige Stunden zuvor hatte ein anderes Erdbeben in der gleichen Region eine ähnliche Warnung ausgelöst. Der Unterschied zum ersten Beben war, dass nun vor möglichen Tsunami-Wellen auf zahlreichen Inseln der Südsee und selbst auf der über 900 km entfernten neuseeländischen Nordinsel gewarnt wurde.

In so einem Falle informieren wir unsere Kunden über Global Monitoring und das Tsunami Alarm System, das als Folge des katastrophalen Tsunamis in Südostasien 2004 entwickelt wurde. Wie in jeder Krise ist auch hier ein koordiniertes Vorgehen essentiell: Unsere wichtigste Information sind die Estimated Times of Arrival (ETA), sprich: wann können wo Tsunami-Wellen auf Land treffen. Diese Informationen müssen schnell und verlässlich verarbeitet und versandt werden, um Menschen vor Ort zu informieren und so im Ernstfall Leben zu retten. Für uns bedeutet dies immer auch einen Wettlauf gegen die Zeit: So kommt es unter anderem darauf an, dass die ETAs in lokale Ortszeiten umgerechnet werden, um verlässliche Informationen auf regionaler und nicht nur auf nationaler Ebene zu bieten.

Als das PTWC um 20:58 Uhr, also 19 Minuten nach der initialen Meldung, weitere Gefahrendetails veröffentlichte, hatten wir durch die eingespielten Routinen im Umgang mit derartigen Meldungen bereits in den meisten Ländern erweiterte Warnungen verbreitet. Das Update brachte uns dann zwei dringend benötigte Informationen: Erstens eine Einschätzung der erwarteten Wellenhöhe in mehreren Ländern und damit eine direkte Information zur Gefahr für die Menschen, die sich in den betroffenen Küstenbereichen aufhalten könnten. Zweitens wurde der Radius der potentiell betroffenen Gebiete auf mehr als 2.000 km erweitert. Dies schloss damit selbst die Küste der Südspitze der neuseeländischen Südinsel mit ein. Auch die vorhergesagte Höhe der möglicherweise auftretenden Wellen gab uns Grund zur Sorge. Während in den meisten Ländern, so auch in Neuseeland, die Tsunami-Wellen voraussichtlich nicht über einen Meter hinausgehen sollten, rollte auf Französisch-Polynesien mit seinen fast 300.000 Einwohnern eine Welle zu, die bis zu drei Meter hoch werden könnte.

Die ersten Inseln des französischen Überseegebietes sollten erst in zwei Stunden und 50 Minuten von den Wellen erreicht werden. Mehr als genug Zeit, um eine Warnung an Personen vor Ort zu senden und diesen die Möglichkeit zu einer Reaktion auf die potentielle Gefahr zu geben. Während dieses Update verfasst wurde, trafen bereits die ersten Wellen mit prognostizierten Höhen von 30cm bis zu einem Meter in Lottin Point und Gisborne, Neuseeland ein.

Fünfundzwanzig Minuten später erreichten uns weitere beunruhigende Informationen. Auch in Neukaledonien und Vanuatu sei mit höheren Wellen als zunächst angenommen zu rechnen und das PTWC schätzte die Welle, die das Seebeben ausgelöst hatte, als so stark ein, dass selbst an der gesamten süd- und mittelamerikanischen Westküste Tsunami-Wellen auftreffen könnten. Zu diesem Zeitpunkt bestand das Risiko, dass insgesamt 24 Länder und Territorien von Wellen über 30cm getroffen werden. Wellen zwischen 30cm und einem Meter bieten bereits ein beträchtliches Gefahrenpotenzial: Auf einer zwölfstufigen, von Wissenschaftlern entwickelten Tsunami-Skala können diese Wellen der Stufe 5 bereits Überschwemmungen auslösen und eine tödliche Gefahr für Personen in unmittelbarer Küstennähe darstellen.

Nach Versand aller Warnmeldungen hieß es dann Warten bis um 01:25 Uhr deutscher Zeit die ersten positiven Nachrichten eintrafen: Die bis dato in der Südsee und Neuseeland beobachteten Tsunami-Wellen erreichten nur in den wenigsten Fälle eine Höhe von mehr als 30cm. Diese Tendenz setzte sich über die nächsten Stunden fort, sodass wir ab 08:30 Uhr die ersten Entwarnungen weitergeben konnten. Um 14:22 Uhr erreichte uns letztendlich die finale Entwarnung des PTWC, da auch die in Lateinamerika befürchteten Schäden ausblieben. Keine der Wellen, die von den Behörden festgehalten wurden, hatte eine Höhe von mehr als einem Meter erreicht.

Was bleibt, ist unser eingespieltes Travel Security Analysten Team: 24 Ereignisse in Global Monitoring, unzählige Warnmeldungen per Mail und App sowie fast 20.000 Warn-SMS an Kunden des Tsunami Alarm Systems sprechen für sich. Wir sind weiterhin bereit, unsere Kunden zu jeder Tages- und Nachtzeit zu warnen, denn die Gefahr durch einen Tsunami in der Region ist immer noch nicht gebannt: Innerhalb einer Woche nach dem initialen Erdbeben, das zu der drei Kontinente umspannenden Tsunami-Warnung geführt hatte, wurden in der Region um die Kermadecinseln 16 weitere Erdbeben mit einer Stärke von 5 oder höher registriert.

Author

Sebastian Manstetten