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Nach der Eskalation, was jetzt? – Luftraumsperrungen und Sicherheitsentwicklungen

Updates* (13.03., 08:00 Uhr UTC)

  • Aktuelle Lage bei der Evakuierung deutscher Urlauber
  • Schrittweise Wiederaufnahme des Flugverkehrs in den VAE und Katar; Normalisierung des Flugverkehrs in Aserbaidschan
  • Lagehinweis zu Zypern
  • Aktualisierung der Luftraumsperrungen
  • Hinweis zu weiteren Rückerstattungsoptionen (Emirates, Etihad und British Airways)
  • Deutschland begann am Dienstag (03.03.) mit Evakuierungsflügen, andere europäische Länder führen ebenfalls Evakuierungsflüge durch

* Änderungen seit dem letzten Update werden im Text kursiv dargestellt


Seit Samstagmorgen (28.02.) läuft die israelisch-US-amerikanische Operation „Epic Fury“. Der Iran reagiert mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in mehreren Staaten der Region. Ein Teil der Geschosse wird abgefangen, andere gehen unkontrolliert nieder. Auch das am Zayed Port in Abu Dhabi liegende Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 4 entgeht nur knapp einem Treffer. An Bord: rund 2.500 Passagiere. Doch auch an den Flughäfen weltweit warten hunderttausende Reisende, deren Flugverbindungen aufgrund von Luftraumschließungen umgeleitet werden oder schlicht ausfallen.

Solche Entwicklungen zeigen, wie schnell sich Sicherheitslagen verändern – und wie unmittelbar touristische Infrastruktur betroffen sein kann (Alle bisherigen Entwicklungen können im Blog verfolgt werden).

A3M-Travel Security Analyst Marian Nothing bietet einen Überblick:

Luftraumsperrungen

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar reagierten schnell auf die eskalierende Situation und schlossen ihre Lufträume, weitere Länder folgten. Mit der Luftraumschließung wurden tausende Flüge gestrichen oder umgeleitet und Gäste auf der Arabischen Halbinsel saßen fest. Ein derzeitiger Überblick über die Flugraumsperrungen:

  • Bahrain – bis mindestens 13.03. (08:00 UTC)
  • Iran – bis mindestens 13.03. (08:30 UTC)
  • Irak – bis mindestens 13.03. (09:00 UTC)
  • Israel – bis mindestens 16.03. (10:00 UTC)
  • Katar – partielle Schließung
  • Kuwait – bis mindestens 13.03. (16:00 UTC)
  • Saudi-Arabien – partielle Schließung
  • Syrien – partielle Schließung (offen über Aleppo International Airport)
  • Vereinigte Arabische Emirate – partielle Schließung

Alle Schließungen werden mit Ablauf reevaluiert und vermutlich erneuert. Davon ist auszugehen unter den bisherigen Ankündigungen der USA, dass weitere Bombardierungen auf den Iran noch Wochen anhalten könnten.

Während Saudi-Arabien keine direkte Luftraumsperrung herausgegeben hat, sind Flugverbindungen aufgrund der Sperrungen der Nachbarländer nur sehr eingeschränkt durchführbar. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben in Dubai (DXB) etwa die Hälfte aller Flüge durch Emirates, und flydubai wieder aufgenommen, in Schargdscha (SHJ) werden auch wieder etwa die Hälfte aller Flüge durch Air Arabia durchgeführt. Die in Abu Dhabi (AUH) ansässige Fluglinie Etihad sowie die in Katar (DOH) ansässige Qatar Airways führen bisher nur rund 10% ihrer Flüge durch. Betroffene Gäste werden von ihrer Airlines kontaktiert. Der zivile Flugverkehr in Israel ist weitestgehend gestrichen und findet nur mit vorheriger Genehmigung der Regierung statt. Evakuierungsflüge sind von den Luftraumsperrungen nicht betroffen.

Für die Lufthansa-Gruppe bleibt der Flugverkehr wie folgt ausgesetzt:

  • Vereinigte Arabische Emirate (Dubai, Abu Dhabi) – 15.03.
  • Saudi-Arabien (Dammam) – 15.03.
  • Israel (Tel Aviv) – 02.04.
  • Jordanien (Amman) – 15.03.
  • Irak (Erbil) – 15.03.
  • Libanon (Beirut) – 28.03.
  • Iran (Teheran) – 30.04.

Die Sicherheitslage nach dem Auswärtigen Amt

Was Reisende stets beachten sollten, sind die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, da diese auch bei bevorstehenden Buchungen Rückerstattungen ermöglichen. Außerdem ist eine Anmeldung über die Krisenvorsorgeliste des AAs empfehlenswert um Informationen über die Auslandsvertretungen zu erhalten. Auch eine Krisentelefonnummer ist eingerichtet worden: +49 30 5000 87777. Über die aktuelle Lage informieren sowohl das Auswärtige Amt und im Detail A3M. Die aktuelle Lage im Überblick:

  • Aserbaidschan – Teilreisewarnung (A3M)
  • Bahrain – Reisewarnung (A3M)
  • Iran – Reisewarnung und Ausreiseaufforderung (A3M)
  • Irak – Reisewarnung (A3M)
  • Israel – Reisewarnung (A3M)
  • Jordanien – Reisewarnung (A3M)
  • Katar – Reisewarnung (A3M)
  • Libanon – Reisewarnung und Ausreiseaufforderung (A3M)
  • Kuwait – Reisewarnung (A3M)
  • Oman – Reisewarnung (A3M)
  • Saudi-Arabien – Reisewarnung (A3M)
  • Syrien – Reisewarnung (A3M)
  • Vereinigte Arabische Emirate – Reisewarnung (A3M)

Der britische Militärstützpunkt in Akrotiri auf Zypern war in der Nacht auf Montag (02.03., Ortszeit) Ziel mehrerer iranischer Shahed Drohnen geworden, die jedoch nicht aus dem Iran abgefeuert wurden. Zwar konnten alle Flugkörper abgewehrt werden (eine landete auf der Start- und Landebahn), dennoch löste der Vorfall Evakuierungen am Flughafen Paphos aus. Die Lufthansa-Gruppe hat ihre Flugverbindungen zu dem Inselstaat wieder aufgenommen, nachdem sie zuvor gestrichen worden waren.

Die US-amerikanischen Behörden haben ihre Bürger zu einer Ausreise aus allen betroffenen Ländern des Konflikts aufgefordert, einschließlich Ägypten und Pakistan. Für Staatsbürger der USA bestehe eine erhöhte Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. Südkorea hat am Donnerstag (05.03.) ein Verbot für seine Staatsbürger in den Iran einzureisen. Zuwiderhandlungen werden mit Strafe belegt.

Situation für gestrandete Touristen

Um bestehende Unannehmlichkeiten und Sorgen vieler Reisegäste zu lindern hat das Emirat Abu Dhabi angekündigt, die entstehenden Mehrkosten für Hotelaufenthalte von Individualreisenden zu übernehmen. In anderen Fällen werde dies bis zu drei Tage von den Reiseveranstaltern oder der europäischen Airlines getragen. Auch das Emirat Dubai hat wie Abu Dhabi eine ähnliche Reglung angekündigt, die im Falle von ausdrücklichen Notfällen gelte. Zusätzlich ermöglichen auch einige Reiseveranstalter ihren Gästen den Umzug in eine andere Unterkunft oder ein anderes Emirat, wie Ra’s al Chaima. Sind Hotels und Fluglinien des Drittlandes selbst gebucht, müssen Reisende die Kosten in der Regel (außer in Abu Dhabi und evtl. Dubai) selbst tragen.

Betroffene Emirates-Reisende können einen alternativen Flug für Reisen bis einschließlich 20.03. buchen oder eine Rückerstattung beantragen. Gäste mit Etihad-Tickets, die bis einschließlich 28.02. 2026 ausgestellt wurden und deren ursprüngliche Reisedaten bis zum 07.03. reichen, können bis zum 18.03. kostenlos auf von Etihad durchgeführte Flüge umbuchen. British Airways teilt mit, dass Kunden, die bis zum 15.03. zwischen London Heathrow und Abu Dhabi, Amman, Bahrain, Doha, Dubai oder Tel Aviv fliegen, ihr Flugdatum kostenlos auf einen Flug bis einschließlich 29.03. umbuchen können, während Kunden, die bis zum 08.03. reisen, auch eine vollständige Rückerstattung beantragen können.

Neben allen individuellen Optionen habe aber die Luftabwehr der Vereinigten Arabischen Emirate, wie auch anderer Golfstaaten bewiesen, dass sie effektiv Angriffe des Irans abwehren kann. Im Notfall bestünden überdies Evakuierungsrouten und -maßnahmen, um Gäste in Sicherheit zu bringen.

Insgesamt befanden sich rund 30.000 deutsche Pauschalurlauber in der Region, obwohl noch mehr durch das Wegfallen der Drehkreuze auf der Arabischen Halbinsel betroffen sind. Gäste auf den TUI-Cruises Mein Schiff 4 (Zayed Port) und Mein Schiff 5 (Doha Port) werden auf den Schiffen versorgt. Teilweise war das Oberdeck gesperrt, um Passagiere vor Raketentrümmern zu schützen. Alle Gäste von Mein Schiff 4 konnten mittlerweile über Evakuierungsflüge ausgeflogen werden. Die Evakuierung von Passagieren der Mein Schiff 5 ist noch nicht abgeschlossen und am am 10. und 11.03. sollen weitere Flüge durchgeführt werden.

Doch die deutschen Behörden haben Hilfe angekündigt: Am Montagnachmittag (02.03.) hatte Außenminister Wadephul bekanntgegeben Evakuierungsflüge für „vulnerable“-Personen aus Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman) durchführen zu lassen. Die ersten Maschinen mit Urlauber an Bord landeten am Dienstagabend (03.03.) in München am Flughafen. Auch mehrere andere europäische Länder haben damit begonnen Evakuierungsflüge, hauptsächlich aus Maskat und Abu Dhabi durchzuführen. Bei Evakuierungsflügen wird eine Eigenbeteiligung fällig; diese betrug zuletzt 500€. Weitere Details würden entsprechend kommuniziert.

Ausblick

Der Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und Iran auf der anderen Seite ist mit großer Sicherheit noch nicht vorbei. Die Auswirkungen auf die Luftraumsperrungen und den Flugverkehr können sich jedoch schnell ändern. Die letzten Tage haben gezeigt, dass solche Entwicklungen schnell verlaufen.

Für Reiseveranstalter, Reedereien und Destinationen bedeutet das:

Entscheidungen unter Zeitdruck, auf Basis belastbarer Informationen und mit klarer Kommunikation.

A3M Global Monitoring liefert dafür die Grundlage. Neben aktuellen Einreisebestimmungen stellen wir fortlaufend geprüfte Informationen zu weltweiten Reise- und Sicherheitsentwicklungen bereit. Verantwortliche bleiben handlungsfähig, können Risiken fundiert bewerten und transparent gegenüber Kunden und Partnern kommunizieren.

In geopolitisch angespannten Zeiten ist Informationshoheit keine Option, sondern Voraussetzung für verantwortungsvolles Handeln.

Author

Marian Nothing