Eskalation im Nahen Osten: USA und Israel starten Angriff auf Iran
Am Samstagmorgen (28.02.) haben die USA und Israel militärische Ziele in Iran angegriffen. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte im Nahen Osten. Mittlerweile wurde der Tod des iranischen Führers Chamenei bestätigt. Überblick und Einordnung von Thorsten Muth und Mirko Jacubowksi.
Letzte Updates (18.03., 11:00 Uhr UTC)
Rauchwolken über mehreren iranischen Städten: Am frühen Morgen des 28. Februar 2026 begannen israelische und US-Streitkräfte koordinierte Luft- und Raketenangriffe auf militärische Infrastruktur, Regierungsziele und strategische Anlagen in Iran. Die Offensive wurde mit massiven Gegenangriffen der iranischen Streitkräfte beantwortet, bei denen Ziele am Persischen Golf und in Israel beschossen wurden. US-Präsident Trump gab zunächst an, der Krieg könne „vier bis fünf“ Wochen dauern, behauptete am Montag (09.03.) allerdings, die Kampfhandlungen könnten sehr bald enden. Während zu Beginn noch 30.000 Urlauber in der Regeion festsaßen, wurden die allermeisten, vor allem jene von den Kreuzfahrtschiffen, zurückgeflogen werden. Die militärische Eskalation zwischen den USA bzw. Israel und Iran setzen sich unterdessen unvermindert fort, begleitet von verstärkten Gegenangriffen mit wachsenden Auswirkungen auf zivile Strukturen und Hilfswege. Die Lage bleibt dynamisch, die wichtigsten Zwischenfälle im Überblick:
• Iran: Das Bombardement von Zielen in der Hauptstadt Teheran und anderen Städten des Landes geht unvermindert weiter. Iranische Stellen haben bislang über 1.400 Tote (18.03.) gemeldet.
Informationen zur Ausreise über die Landgrenzen: Die Ausreise in die Türkei ist an den Grenzübergängen Gürbulak/Bazargan, Kapıköy/Razi und Esendere/Serow möglich. Die Ausreise nach Armenien (Agarak/Norduz) ist ebenfalls möglich. Die Landgrenzen zu Aserbaidschan sind von aserbaidschanischer Seite aus geschlossen, allerdings können Ausländer über den Grenzübergang Astara ausreisen. Hierzu muss in jedem Fall die jeweils zuständige Auslandsvertretung in Baku kontaktiert werden. Für die Ausreise nach Turkmenistan wird eine spezielle Genehmigung der turkmenischen Regierung benötigt. Die Ausreise über Pakistan und Afghanistan wird nicht empfohlen.
• Israel: In den vergangenen Tagen haben sowohl Iran als auch Hisbollah hunderte Raketen und Drohnen auf Ziele in Israel abgefeuert. Bei den Angriffen auf Tel Aviv, Petach Tikva, Jerusalem, Haifa, Beit Schemesch und Beerscheva kamen bereits zahlreiche Menschen ums Leben. Insgesamt kamen durch iranische Luftangriffe bereits 17 Personen ums Leben (18.03.), tausende wurden verletzt.
• Libanon: Nach den Hisbollah-Angriffen auf Nord-Israel haben die israelischen Streitkräfte am Montag (02.03.) ihre Bombardements im Süden des Libanon intensiviert. Israelische Bodentruppen drangen am Dienstag (03.03.) auf libanesisches Territorium vor, mit dem Ziel, eine Pufferzone einzurichten. Auch der Süden von Beirut wird seit Mittwoch (04.03.) massiv bombardiert, Ziel der Angriffe sind auch Tyros, Sidon und die Bekaa-Ebene. Bislang wurden im Libanon knapp 900 Tote durch israelischen Beschuss gemeldet.
• Vereinigte Arabische Emirate: Bereits am Samstag (28.02.) wurde das Fairmont The Palm Hotel (Dubai) von iranischen Geschossen getroffen. Der internationale Flughafen von Dubai (DXB) sowie der Marinestützpunkt Al Salam in Abu Dabi gerieten ins Visier der Angriffe. Unter anderen wurden Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Mein Schiff 4“ Zeugen der Raketen; die Reisenden konnten unterdessen evakuiert werden. Raketenangriffe und Explosionen durch die Luftabwehr waren in Dubai weiterhin am Dienstagmorgen (18.03.) zu hören. Der Iran sprach eine Evakuierung für Bewohner in der Nähe von Ölförderanlagen aus.
• Katar: Deutsche Urlauber, die zuvor auf dem Kreuzfahrtschiff („Mein Schiff 5“) in Katar festsaßen, konnten vollständig evakuiert werden. Auch für Katar rief der Iran zur Evakuierung der in der Nähe von Ölförderanlagen lebenden Bewohner auf. Der Luftraum ist weiterhin partiell geschlossen.
• Bahrain: Der US-Marinestützpunkt in Manama wurde bereits am Sonntag (01.03.) angegriffen, auch der internationale Flughafen (BAH) und zahlreiche weitere Ziele wurden beschossen. Auch am Dienstag (18.03.) war der Luftraum des Landes noch geschlossen.
• Irak: Im Nordirak (insbesondere in Erbil und Sulaymaniyya) häufen sich die iranischen Angriffe auf US-amerikanische und kurdische Ziele. Die irakische Armee hat ihre Stellungen entlang der iranischen Grenze verstärkt und will eigenen Angaben zufolge verhindern, dass dort eine neue Front entsteht. Berichte, wonach sich kurdische Bodentruppen auf einen Einsatz in Iran vorbereiten würden, wurden vonseiten der USA bereits vergangene Woche dementiert. Der irakische Luftraum bleibt weiterhin gesperrt.
• Aserbaidschan: In der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan, die zwischen Iran und Süd-Armenien liegt, sind am Donnerstag (05.03.) zwei iranische Drohnen abgestürzt. Eines der Objekte traf den Flughafen (NAJ), das andere traf Berichten zufolge eine Schule in Schekerabad. Aserbaidschan versetzte daraufhin seine Truppen in Alarmbereitschaft und sperrte den südlichen Luftraum des Landes. Einige Experten gehen davon aus, dass Iran mit dem Angriff eine Luftraumsperrung provozieren wollte, die den Flugverkehr zwischen Europa und Asien noch weiter einschränken würde. Der Luftraum wured für Flüge derweil wieder vollständig geöffnet.

Bildquelle: Flightradar24.com
• Saudi-Arabien: Explosionen waren bereits ab Sonntag (01.03.) östlich der saudischen Hauptstadt Riad zu hören. Saudische Armeestützpunkte wurden im Laufe der Auseinandersetzungen gezielt beschossen, das Königreich versetzte seine Truppen in erhöhte Alarmbereitschaft. Am Dienstag (03.03.) griffen zwei iranische Drohnen die US-Botschaft in Riad an, auch zwei Wochen später (18.03.) wurden Geschosse im saudischen Luftraum abgefangen.
• Oman: Im Oman saßen zunächst auch deutsche Reisegruppen fest, später kamen noch mehr ausländische Reisende hinzu, die aus den VAE per Bus evakuiert worden waren. Die iranischen Angriffe der letzten Woche trafen u.a. den Hafen von Duqm und Frachtschiffe an der Küste des Landes.
• Kuwait: In Kuwait hat die nationale Flugabwehr am Sonntag (01.03.) nach einem Missverständnis drei Kampfjets der US-Streitkräfte abgeschossen. Durch iranische Raketen sind bislang mehrere US-Soldaten sowie kuwaitische Zivilisten ums Leben gekommen. Der Luftraum des Landes bleibt weiterhin gesperrt.
• Jordanien: In Jordanien blieb es anfangs auffallend ruhig. Medienberichten von Dienstag (03.03.) schossen britische RAF-Flieger im jordanischen Luftraum mehrere iranische Drohnen vom Himmel, in der Nacht zum Montag (09.03., Ortszeit) geriet auch ein Feldlager der Bundeswehr ins Visier ballistischer Raketen.
Nach dem Tod von Chamenei: Wie die aktuelle Lage einzuordnen ist
Kommentar von Mirko Jacubowski.
Der Tod von Ali Chamenei markiert einen historischen Einschnitt. Seit Jahrzehnten prägte er die Islamische Republik ideologisch und strategisch. Sein Wegfall öffnet eine Phase großer Unsicherheit über Nachfolge und politische Ausrichtung.
Ein Regimewechsel allein durch Luftangriffe bleibt jedoch schwierig. Ohne ein Zerbrechen der Sicherheitsapparate wie der Revolutionsgarden dürfte es kaum zu einer echten politischen Transformation kommen. Gleichzeitig war eine grundlegende Neuausrichtung Irans unter seiner Herrschaft praktisch ausgeschlossen – sein Abgang könnte zumindest ein neues Möglichkeitsfenster eröffnen. Technisch gesehen sieht der Verfassungsprozess eine Nachfolge durch den Expertenrat vor, doch in der Praxis entscheidet ein enger Machtzirkel. Dieser ernannte seinen Sohn Modschtaba Chamenei zu dessen Nachfolger. Kurz nach der Ernennung wurde auch er Ziel eines Raketenangriffs, überlebte iranischen Meldungen jedoch verletzt. Im Laufe des Konflikts kamen jedoch auch eine Reihe anderer hochrangiger Amtsträger ums Leben, darunter Esmaeil Khatib (Minister des Geheimdienstes, 18.03.), Ali Larijani (Sekretär des Sicherheitsrats, 17.03.), Gholamreza Soleimani (Chef der paramilitärischen Basij, 17.03.)
Militärisch antwortet Teheran auf den Tod seines Führers mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und mehrere Golf- und Nachbarstaaten, darunter auch auf US-Basen – was zu Sirenen in Israel führte und lokale Bevölkerungen alarmierte. Diese Angriffe wurden von mehreren arabischen Staaten scharf verurteilt, da sie als Verletzung ihrer Souveränität gelten und die Gefahr einer weiteren Eskalation erhöhen.
Ein unmittelbarer Zusammenbruch des Regimes gilt hingegen als unwahrscheinlich. Die Revolutionsgarden verfügen über erheblichen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einfluss und haben ein starkes Interesse an Stabilität. Wahrscheinlicher wäre zunächst eine interne Neujustierung und Machtbalance-Verschiebung – vielleicht über eine Übergangslösung oder schnelle Ernennung zur Demonstration von Kontinuität.
Insgesamt markiert der Tod Chameneis das Ende einer Ära. Ob daraus echter struktureller Wandel entsteht, hängt entscheidend von inneren Machtkonstellationen ab. Selbst wenn das System fortbesteht, könnten sich Irans innen- und außenpolitische Ausrichtung spürbar verändern – auch weil seine regionalen Aktionen ihm nicht nur Feindschaften, sondern wachsende Isolation eingebracht haben.
Wie lange der aktuelle Krieg andauert, ist nicht seriös prognostizierbar: Donald Trump hat sich hier explizit die Flexibilität bewahrt, sich je nach Entwicklung der Lage anzupassen. Er könnte in ein paar Tagen aufhören und sagen, dass die nukleare und Raketenbedrohung beseitigt ist und es nun am iranischen Volk liegt. Er könnte stattdessen noch wochenlang weitermachen und einen entscheidenden Regimewechsel anstreben. Welcher Weg eingeschlagen wird, kann auch eine Folge der inneramerikanischen Perzeption der Politik durch die MAGA-Basis sein.
Eines bleibt jedoch sicher: Die aktuelle Situation ist unmittelbar auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zurückzuführen. Hatte dieser ursprünglich das Ziel, Israels Existenz zu schwächen, fungierte er vielmehr als Zündschnur für weitere Konflikte, die das genaue Gegenteil zur Folge hatte: Er verstärkte die israelische Offensive gegen iranische Verbündete, untergrub Irans Einflussnetzwerk in Syrien, Libanon und anderswo und trug damit indirekt zur Schwächung des sogenannten „Achse des Widerstands“-Bündnisses bei.
Hintergründe: Wie sich die Eskalation angebahnt hat
Den heutigen Angriffen ging eine Phase wachsender Spannungen voraus: In den Wochen vor dem Angriff hatten die USA eine massive Verstärkung ihres militärischen Fußabdrucks im Nahen Osten vorgenommen und mehrere Flugzeugträger-Gruppen, Jagdflugzeuge und Unterstützungskräfte in der Region stationiert. Es waren die umfangreichsten US-amerikanischen Truppenbewegungen seit dem Irak-Krieg 2003. Parallel scheiterten diplomatische Bemühungen um eine Einigung im Atomstreit. Washington forderte Einschränkungen des iranischen Nuklear- und Raketenprogramms, Teheran wies weitergehende Forderungen zurück und demonstrierte seinerseits militärische Stärke, unter anderem durch Manöver der Revolutionsgarden in der Straße von Hormus. Mehrere Staaten forderten ihre Bürger bereits vor dem Angriff zur Ausreise aus Iran und Israel auf – ein deutliches Signal für die erwartete Zuspitzung.
Auswärtiges Amt gibt Reisewarnungen aus
Das deutsche Auswärtiges Amt warnt aktuell vor Reisen in mehrere Staaten und Gebiete des Nahen und Mittleren Ostens. Betroffen sind Israel und die Palästinensische Gebiete, Libanon, Jordanien, Syrien, Irak, Iran, Bahrain, Kuwait, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar sowie Jemen. Reisenden wird dringend empfohlen, die aktuellen Sicherheitshinweise vor Reiseantritt sorgfältig zu prüfen.

Was die aktuelle Konfrontation bedeutet
Mit der heutigen Eskalation ist eine neue Phase regionaler Unsicherheit und globaler Auswirkungen eingetreten. Sollte Teheran seine angekündigten Gegenschläge fortsetzen, könnten US-Militärbasen, israelische Infrastruktur und regionale Verbündete Ziel weiterer Angriffe werden. Ebenso nicht auszuschließen sind asymmetrische Reaktionen durch pro-iranische Milizen in Irak, Syrien und Libanon, was die Lage weiter destabilisieren könnte. Die Straße von Hormus bleibt ein kritischer Risikopunkt: Jede Störung durch militärische Aktionen oder Blockaden hätte einen unmittelbaren Einfluss auf Energiepreise, globale Lieferketten und wirtschaftliche Stabilität. Schon jetzt haben zahlreiche Staaten und Airlines ihre Flugverbindungen in der gesamten Region ausgesetzt, was sich signifikant auf internationale Reisebewegungen zwischen Europa und Asien auswirken wird. Ob es sich um eine begrenzte militärische Operation oder den Beginn einer breiteren Konfrontation handelt, hängt maßgeblich von der weiteren Reaktion Irans und der internationalen Vermittlungsdynamik ab.
Der UN-Sicherheitsrat wird aller Wahrscheinlichkeit nach erneut zum Zentrum geopolitischer Auseinandersetzungen und diplomatischer Blockbildungen werden, allerdings ist noch weitgehend ungeklärt, welche Rolle das von US-Präsident Trump ins Leben gerufene „Board of Peace“ spielen könnte. Was hingegen noch völlig unklar ist: Welches Ziel verfolgt Trump mit den heutigen Angriffen? Der Einsatz von amerikanischen Bodentruppen ist nicht geplant, zumal diese kein Teil des aktuellen militärischen Aufmarsches rund um den Golf sind. Das iranische Regime zeigt unterdessen keine größeren Risse, die auf einen Abtritt der aktuellen Führung hinweisen würden. Wird die iranische Bevölkerung angesichts des Verlusts vieler tausend Menschen noch einmal dazu bereit sein wird, auf die Straße zu gehen? Mindestens einer dieser Faktoren müsste jedoch gegeben sein, um einen Regimewechsel zu erzwingen. Erst die Entwicklungen der nächsten 7 Tage dürften zeigen, wie es in Iran weitergeht.
A3M-Live-Ereignisse zu den einzelnen Ländern
Iran (Bewaffneter Konflikt / Transport)
Israel (Bewaffneter Konflikt / Transport)
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Jemen (Transport)
Internationale Medienberichterstattung
BBC (Iran latest)
CNN (Live Updates)
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Wie die Lage für Reisende aussieht, >>HIER<<