Blogbeiträge

Global Monitoring: Die Woche

In der vergangenen Woche beschäftigten uns bei A3M wieder zahlreiche Krisen, die aus den verschiedensten Gründen Gefahren und Risiken für Reisende bieten können. Diese reichten von bewaffneten Handlungen, die ganze Landstriche zu Kriegsgebieten machten, hin zu lokalen Ereignissen wie einem Fabrikbrand. Eine Übersicht:

Während der Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan immer weiter fortschreitet, nehmen die Kampfhandlungen im Land zu. Aus kaum einer Provinz gibt es keine Berichte über Gefechte zwischen den Taliban auf der einen und Sicherheitskräften und lokalen Milizen auf der anderen Seite. Am Freitag behaupteten die Taliban dann, sie würden bereits 85% des Staatsgebietes kontrollieren. Eine Angabe, deren unabhängige Prüfung in der aktuell unübersichtlichen Situation unmöglich ist. Fakt ist jedoch, dass die Islamisten zuletzt massive Gebietsgewinne verzeichnen konnten und mehrere Nachbarländer Afghanistans berichten, dass sich desertierende Sicherheitskräfte über die Grenzen retteten, weshalb das Auswärtige Amt selbst in benachbarten Regionen wie dem Süden Tadschikistans dringend von Reisen abrät. Mehrere Grenzübergänge, die für die Versorgung des Landes elementar sind, fielen an die Taliban. Ein Ende der Kämpfe ist nicht abzusehen.

Ebenfalls von politischen und sozialen Unsicherheiten erfasst wird der Karibikstaat Haiti. Am frühen Mittwochmorgen drangen Bewaffnete in das Haus des Präsidenten ein und töteten diesen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar, jedoch reagierten sowohl haitianische Behörden als auch die Regierung der Dominikanischen Republik schnell und riegelten das Land zeitweise ab. Für mindestens 15 Tage wurde ein Belagerungszustand ausgerufen und in Port-au-Prince wurden mehrere Sicherheitsoperationen durchgeführt, bei denen bereits dutzende Tatverdächtige festgenommen wurden. Bei mehreren Verdächtigen handelt es sich um ausländische Staatsbürger. Die politische Lage in Haiti gestaltet sich bisher überraschend ruhig und es wird betont, dass die für September angesetzten Wahlen weiterhin stattfinden sollen, jedoch herrscht auch Unklarheit über die Legitimität, mit der sich der bisherige Premierminister zum Interimspräsident ernannte, da er eigentlich bereits am Montag abgesetzt worden war. Die Situation im Land bleibt voraussichtlich auch in den kommenden Wochen fragil.

Unterdessen kam es auf der anderen Seite des Globus im Osten Russlands auf der Halbinsel Kamtschatka zu einem Flugzeugunglück. Eine Antonov AN-26 der Petropavlovsk-Kamchatsky Air Enterprise mit 28 Personen an Bord, die sich auf dem Weg von Petropawlowsk-Kamtschatski nach Palana befand, stürzte am Dienstag nahe ihrem Ziel aus bisher ungeklärter in eine Klippe. Die Bergungsarbeiten gestalten sich in der abgelegenen Region schwierig, die Leichen der meisten Passagiere wurden jedoch bereits gefunden.

Während Brände und kleinere Explosionen sowohl in Privathäusern als auch in Fabriken in Bangladesch keine Seltenheit sind, überraschte das Ausmaß eines Feuers, das am Donnerstag eine Saftfabrik in Bhulta unweit der Hauptstadt des Landes erfasste, doch. Zunächst berichteten die Rettungskräfte von drei Toten und bereits 50 verletzten Personen. Bald wurde allerdings klar, dass sich noch zahlreiche Personen in dem Gebäude befanden und die Zahl der Opfer stieg auf mindestens 50 Personen an. Ein solches Ereignis zeigt eindrücklich, wie stark initiale Einschätzungen der Sicherheitskräfte vor Ort und damit auch die Datenlage, mit der die Reisesicherheitsanalysten arbeiten, vom letztendlichen Ausmaß eines Ereignisses abweichen können. Auch solche zunächst unscheinbaren Meldungen werden von uns beobachtet und gegebenenfalls im Global Monitoring aufgenommen, um Reisende vor Ort vor der potenziellen Gefahr warnen zu können.

Author

Sebastian Manstetten