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Global Monitoring: Die Woche

Alle Augen sind diese Woche auf das schmale Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer gerichtet, wo der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern seit über einer Woche erneut eskaliert. Wie konnte es so weit kommen? Eine Zusammenfassung:

Im Jerusalemer Stadtteil Scheikh Jarrah, wo eine mögliche Zwangsräumung palästinensischer Wohnhäuser zugunsten israelischer Siedler bevorsteht, brachen am 6. Mai heftige Proteste aus. Einen Tag später stürmten israelische Sicherheitskräfte den Tempelberg (Haram asch-Scharif) und die Al-Aqsa-Moschee, eine der heiligsten Stätten des Islam. Dies alles spielte sich kurz vor dem islamischen Feiertag Lailat al-Qadr und dem Jerusalem-Tag ab, der von israelischen Nationalisten mit Märschen durch die überwiegend arabische Altstadt begangen wird. Die Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg wiederum nutzte die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen als Vorwand, um Raketen (mittlerweile über 1.700) auf Städte im Süden Israels abzufeuern. Zahlreiche Israelis kamen durch einschlagende Geschosse ums Leben, während die meisten Raketen durch das Raketenabwehrsystem ‚Iron Dome‘ abgefangen wurden. Die israelische Armee reagierte mit Luftangriffen auf Ziele in Gaza, wobei wiederum über 100 Menschen starben. Internationale Fluggesellschaften stellten ihre Verbindungen nach Tel Aviv ein, weil die Raketen auch den Ben Gurion Airport ins Visier genommen hatten. Unterdessen schlugen auch mehrere im Libanon abgefeuerte Raketen im Norden Israels ein. Auch eine Bodenoffensive der israelischen Armee im Gazastreifen wird derzeit nicht ausgeschlossen.

Das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan war nicht nur in Israel und Palästina von Gewalt geprägt. Auch in Afghanistan kommt es momentan täglich zu mehreren Terroranschlägen, in letzter Zeit sind wieder vermehrt Zivilisten das Ziel der Angriffe. Erst am Freitag (14.05.) explodierte eine Bombe in einer Moschee in Kabul und tötete 12 Menschen. Die Waffenruhe, die anlässlich des Eid-al-Fitr-Feiertages zwischen den afghanischen Sicherheitskräften und den Taliban vereinbart worden war, scheint brüchig zu sein und ebenso wie der Abzug der NATO-Truppen unter einem schlechten Stern zu stehen. Allerdings wird auch vermutet, dass der afghanische Arm des sogenannten Islamischen Staates hinter einigen der jüngsten Terrorakte stehen könnte.

Bereits zu Beginn der Woche ereignete sich ein Amoklauf in einer Schule in Kasan. Das Motiv des 19-jährigen Täters, der am Dienstag (11.05.) in der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan mindestens 9 Menschen tötete und anschließend festgenommen werden konnte, ist bislang unbekannt. Zunächst ging man von zwei Tätern aus, was später jedoch korrigiert wurde.

Zum Ende der Woche noch ein kleiner Lichtblick aus Rumänien, wo sich Touristen momentan glücklich schätzen können: Statt dem tödlichen Biss eines Vampirs wartet auf der weltbekannten Dracula-Burg Bran eine lebensrettende Injektion. Ohne Voranmeldung bekommen Besucher der Karpatenfestung eine Dosis BioNTech verabreicht, freien Eintritt in die Ausstellung von 52 mittelalterlichen Folterinstrumente gibt es außerdem obendrauf. Rumänien verzeichnete seit Anfang der Pandemie bis zu 29.000 Corona-Tote. Die PR-Aktion soll nun dabei helfen, die Impfstatistik zu verbessern.

Author

Thorsten Muth